Wenn ich eines in den letzten 15 Jahren gelernt habe, dann ist es, dass wir allzu oft die Ursache bei uns selbst suchen. Was in unserer Gesellschaft ja auch kein Wunder ist, sorgt sie doch mit all dem Individualismus dafür, dass wir uns wirklich nur noch um uns selbst drehen. Dabei würde ein wenig mehr Gemeinschaftssinn auch dazu führen, dass wir uns wieder mehr und mehr daran erinnern, dass wir eben nicht allein sind. Und diese Erkenntnis könnte uns dahinführen, dass nicht alles was wir wahrnehmen oder spüren oder sogar auch wie wir die Welt erleben, im Kern unseres ist. Sondern dass es beeinflusst wir von denen, die um uns sind und denen, die vor uns kamen. Denn wir sind immer auch Teil einer Gemeinschaft – derjenigen, die uns umgeben und derjenigen, aus denen wir entstanden sind.

Wir sind keine Individual-Insel.
Wir sind Teil von etwas Größerem – Gemeinschaft.

Wenn wir uns also die Frage stellen, ob das Trauma wirklich unseres ist – was wir meiner Meinung nach viel zu selten tun (denn, spitz formuliert, wie könnte es mal nicht um uns gehen?), dann würden wir feststellen, dass dies nicht wirklich immer der Fall ist. Und wir würden erkennen, dass das Trauma oder die traumatische Erfahrung, deren Folgen wir wahrnehmen, im Ursprung gar nicht unseres ist. Was übrigens auch die Bearbeitung des Themas immens erleichtert.

Starten wir von vorne: erkennen wir an, dass wir Teil einer Linie sind, dann ist es ziemlich logisch, dass die Menschen vor uns uns eben nicht nur ihr Äußeres mitgegeben haben, sondern dass wir auch Elemente unseres Inneren Erlebens von ihnen mitbekommen haben. Das bedeutet zum einen Elemente wie Resilienz und Durchhaltevermögen. Und zum anderen Sensibilität bestimmten Stressoren gegenüber und traumatische Erlebnisse. Das was dann passiert, ist dass wir das als positiv empfundene gerne einfach so annehmen und uns nicht fragen, woher es eigentlich kommt. Im Zweifel loben wir uns selbst dafür.

Für das Positive loben wir uns.
Für das Negative machen wir uns fertig.
Doch wenn beides nichts mit uns zu tun hat, was dann?
Kaja Andrea

Doch das Gleiche passiert eben oftmals auch mit den als blockierend oder einschränkend empfundenen Emotionen und den damit verbundenen Verhaltensweisen. Wir beziehen diese auf uns, anstatt zu erkennen, dass sie uns weiter gegeben wurden. Und dass wir eigentlich ganz wo anders nach dem Ursprung und damit auch nach der Neutralisierung des Zustands suchen müssten. Neutralisierung verwende ich hier, da es darum geht neutral mit der jeweiligen Situation, die den Stress oder das traumatisierte Verhalten triggert, umgehen zu können. Damit hat sie keine Macht mehr über uns im Hier und Jetzt und wir sind frei vom Einfluss dessen, was uns vorher einschränkte.

Doch woher wissen wir, ob ein Trauma unseres ist? Im Kern kann man sagen: wir finden keinen Ursprung in unserem Leben. Das Verhalten oder die Reaktion auf bestimmte Umstände lassen sich nicht auf unser jetziges Leben zurück beziehen. Ein eindrückliches Beispiel ist ein kleiner Junge, den die Eltern abends alleine zuhause lassen und zu den Nachbar gehen. Genau an dem Abend ertönen die Sirenen. Der Junge wacht auf und läuft instinktiv zur nächsten Brücke, um sich darunter zu verstecken. Normalerweise würde er zu den Nachbar laufen, seine Eltern suchen, doch er sucht Schutz unter der Brücke. Denn in ihm läuft das Kriegstrauma der Mutter ab, die sich als Kind unter den Brücken vor den Bomben versteckt hat

Wenn ein unbekannter Instinkt übernimmt, dann bewegen wir uns im Feld des intergenerationalen Trauma.

Es gibt also kein Ursprungserlebnis in dem Leben des kleinen Jungen, denn der Ursprung liegt im Leben seiner Mutter. Wenn wir also Verhalrensweisen oder Reaktionen an den Tag leben, die für uns keinen Sinn machen oder nicht auf etwas konkretes im Hier und Jetzt zurückzuführen sind, dann sind dies deutliche Hinweise auf ein ahnengeprägtes Trauma oder ein intergenerationales Trauma. Und damit werden wir es nur bearbeiten können, wenn wir anfangen außerhalb von uns zu schauen.

Das ist das, wo Ahnenarbeit ansetzt. Wir erkennen an, dass wir Teil einer Linie sind, die uns eben auch Emotionen und Reaktionen mitgegeben hat. Und wir schauen gemeinsam nach dem Ursprung dieser Emotionen und Reaktionen, um sie dann zu neutralisieren. Denn nur wenn wir den richtigen Ursprung finden, können wir nachhaltig wirklich etwas verändern. Ansonsten ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir immer wieder in der gleichen Schleife landen.

Wenn das Trauma also nicht deines ist, dann mach es dir nicht zueigen, sondern erweitere deinen Blickwinkel und damit auch die Chancen es ein für alle Mal zu erlösen.

Wenn du mehr wissen willst, dann kannst du mit dem Echo-Finder herausfinden kannst, welchen Ursprung dein aktuelles Thema hat.

 

In Sisterhood,