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Wenn Frauen sage, dass sie Männer kastrieren, dann stoße ich meist auf Widerstand. Denn in der kulturell geprägten Wahrnehmung sind wir Frauen doch die Opfer und die Männer die Täter. Und irgendwie ist es manchmal auch ganz bequem, wenn es so ist, denn damit können wir den Männern die Verantwortung für viele Missstände und das Nicht-Funktionieren in so vielen Bereichen zuschieben.

Und bevor der Aufschrei kommt: ich bin Feministin aus vollem Herzen, ich verurteile Übergriffigkeit und glaube an Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen.

Was ich aber immer wieder beobachte ist dass viele Frauen eine tiefliegende, teilweise unbewusste Angst vor dem maskulinen haben. Eine Angst, die sich auf die Erfahrung aus Jahrhunderten stützt, die sich in unseren Zellen befindet und von Generation zu Generation weiter gegeben wurde. Denn erst seit kurzem haben Frauen die Möglichkeit wirtschaftlich unabhängig zu sein (1969), ein eigenes Konto zu besitzen(1962), NEIN zu sagen, wenn der Ehemann mal wieder Sex will (1969) oder dürfen sich scheiden lassen, ohne aus dem Dorf getrieben zu werden.

Die längste Zeit unserer epigenetischen Erinnerung waren wir in Abhängigkeit und haben wirtschaftliche Unterdrückung und Gewalt erfahren. Ich sage nicht, dass dies komplett vorbei ist und gleichzeitig haben sich dir Rahmenbedingungen zumindest für Frauen in Deutschland an vielen Stellen deutlich verändert.

Kastration gegen maskuline Kraft

Was nun wahrzunehmen ist, dass Frauen in Paarbeziehungen oftmals durch diese unbewusste Angst ihre Männer verbal kastrieren und damit dafür sorgen, dass diese gar nicht erst in ihre komplette maskuline Kraft kommen.

Das passiert in Momenten wo wir den Mann, der gerade auf uns zukommt und uns ein Kompliment machen will abrupt abweisen, uns wegdrehen oder nach seinem Versuch mit unseren Freundinnen danach darüber lachen. Es passiert, wenn wir uns über den ersten Satz de ein Mann rausbringt amüsieren, anstatt zu würdigen, dass er sich gerade komplett verletzlich macht. Es passiert, wenn wir sagen: Ich mach das schnell selber, du bekommst es ja sowieso nicht hin. – und ihm damit die Kompetenz in so simplen Dingen wie die Spülmaschine einräumen absprechen. Es passiert in den Momenten, wo er ja sowieso nicht versteht worum es geht, und wir ihn außen vor lassen, anstatt ihn in unsre Gefühlswelt einladen. Es passiert jedes Mal, wenn wir hart sind, ihn abtun, oder ihn mit diesem Blick „ernsthaft?“ anschauen.

Ein Grund neben der Angst vor dem maskulinen ist der Anspruch an die Männer. Messen wir uns selber oft genug an der idealen Frau, so tun wir dies auch unbewusst mit Männern. Und diese Anforderungen sind schwerlich zu erfüllen.

Schwertschlag schafft Distanz

Jedes dieser Male ist wie ein verbaler oder optischer Schwertschlag mit dem wir den Mann entmannen. Mit dem wir sicherstellen, dass er uns nicht zu nahe kommt, mit dem wir Härte vor unsere Verletzlichkeit schieben, mit dem wir Distanz schaffen anstatt Nähe zuzulassen.

Und mit jedem Schwertschlag entfernen wir uns ein Stückchen weiter von ihm, entfernen wir uns ein Stückchen weiter von dem was wir so oft suchen: von Nähe, Verbundenheit, Offenheit, Emotionalität und Vertrauen.

Ich kann mich selber allzu gut an die Zeiten erinnern in denen ich nach außen hin sehr souverän als Frau war, aber im tiefen Inneren immer diesen einen bestimmten Raum verschlossen hielt, aus Angst. Ich erinnere mich daran, wie ich Männer schräg angeschaut habe, die mich ansprachen und obwohl ich mich geschmeichelt fühlte habe ich einen Spruch rausgehauen, der direkt für Distanz gesorgt hat und den Mann auf Abstand gehalten.

Ich weiß noch, wie ich meine emotionale Stärke und Fähigkeit zu Empathie genutzt habe um quasi mein Schwert zu schwingen und einen Sicherheitsabstand herzustellen. Und all das obwohl ich mir nichts sehnlicher gewünscht habe, als einen Mann, der vor mir stehen bleibt, der den Raum hält, der mich hält. Doch am Ende musste ich mir eingestehen, dass mein größter Wunsch auch bedeutete, dass ich mich gleichzeitig meiner größten Angst zu stellen. Der Angst mich dem maskulinen zu öffnen. Der Angst in mein feminines Fließen zu gehen und die Rüstung abzulegen. Der Angst verletzbar zu sein. Und das Risiko einzugehen zu erleben, was ich als epigenetische Information von meinen Ahninnen und kollektiv über das Bewusstsein der Frauen mitbekommen hatte.

„Geliebt wirst du einzig, wo du schwach dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren.“

Theodor Adorno

Wie wäre es, wenn wir beginnen die Schwerter niederzulegen? Vor allem in Situationen in denen wir eigentlich sicher und geliebt sind. Wie wäre es, wenn wir beginnen das zu praktizieren, was wir uns tief im Inneren wünschen: Frieden. Wie wäre es, wenn wir anfangen uns aktiv mit dieser unbewussten Angst auseinander zu setzen?

Sich der Angst stellen

Indem wir uns dieser Angst stellen, haben wir die wahrhaftige Chance dem Kreislauf von Täter und Opfer zu entkommen. Denn aus der Angst kommen wir in die Liebe, Und Liebe braucht keine Sicherheit, Liebe ist Sicherheit. Leibe braucht es nicht, dass ich jemanden kleiner mache, um mich größer zu fühlen. Liebe ist Akzeptanz und Annahme – dessen was ist. Zuallererst bei mir und in mir. Und aus dieser Kraft heraus zu agieren. Für etwas anstatt gegen etwas. Wenn du deine Angst aus deinem System bekommen willst, kann eine SoulFlow Session ein tiefenwirksamer Start dazu sein.

Ich habe für mich gelernt und erlebt, dass je häufiger ich das Risiko eingehe das Maskuline an mich heran zu lassen, je häufiger ich die Intention hinter der Aktion ehre, desto mehr erlebe ich das, was ich gesucht habe. Eine immer tiefer gehende Beziehung zu dem Maskulinen, in all seinen Facetten. Ich spüre, wie mit jedem Mal meine Angst kleiner geworden ist und ich mittlerweile voller Liebe auch auf den blödesten Anmachspruch reagieren kann und dadurch Situationen auf einmal ganz neue Dynamiken bekommen.

Seitdem ich mein Schwert niedergelegt habe, erfahre ich eine Qualität in den Beziehungen zu den Männern in meiner Umgebung, wie ich sie vorher nicht kannte.

Und so lade ich dich heute dazu ein, das Schwert wirklich nur noch zu zücken, wenn es notwendig ist. Ich glaube, dass wir diejenigen sind, die den Kampf auf der emotionalen Ebene beenden können. Ist es einfach: vielleicht nicht. Aber es ist möglich. Und es ist der Weg zu den Beziehungen, die wir uns im tiefen Inneren wünschen.

In Sisterhood,