So langsam werden die Abende kühler und morgens fühlt sich die Luft wieder frischer an. Ich genieße es nach diesem intensiven Sommer den Wechsel der Jahreszeiten zu spüren. Es ist fast so, als ob mit der langsam zunehmenden Dunkelheit auch schon der Herbst an die Tür klopft. Der Altweibersommer ist da. Doch was hat diese spezielle Zeit des Jahres eigentlich mit alten Frauen zu tun? Woher kommt der Name?

Wenn es ein Merkmal dieser Zeit gibt, neben den kühleren Nächten, dann sind es die Spinnenweben, die morgens im Sonnenlicht mit tausenden Tautropfen behangen glitzern. Denn es ist die Zeit, in der die Spinne wieder ihre Fäden webt. Oder wie es früher hieß: ihre Fäden weibt. Im speziellen ist es die meist nur 1,5 bis 3 mm große Baldachinspinne. Sie webt ihre Netze häufig in Bodennähe, in Wiesen oder in Sträuchern und sie sehen aus wie ein Baldachin durch ihre horizontale Webform, die leicht gewölbt ist. Die Baldachinspinne lässt sich mit ihren Fäden vom Wind tragen – ist dieser lang genug wird er vom Wind erfasst und sie kann auf ihm reisen. Wenn sich die Luft über dem kühleren Boden durch die Sonne rasch erwärmt, nutzen die Spinnen diesen Auftrieb und machen sich auf die Reise. Sie können dabei mehrere 1000 Meter in die Höhe gleiten oder bis zu mehrere hundert Kilometer weit reisen.

Das Schicksal breitet sich glitzernd aus.

Die Fäden, die so in der Luft hingen, glitzernd, wiegend wurden damals als Gespinste von Feen, Elfen oder Nornen gesehen. Die Nornen sind die 3 Schwestern am Brunnen des Weltenbaumes, die das Schicksal spinnen. Urd, die für das Schicksal und die Vergangenheit steht, Verdandi, die das Werdende und die Gegenwart verkörpert und Skuld, die die Energie von Schuld, dessen, was sein soll und der Zukunft hält. Es war, als ob sich ein magischer Teppich über der Erde ausbreiten würde. Aber die Kirche, die spinnende Weiber und alte feminine Weisheit eh nie so richtig gut fand, und vor allem nichts mit weiblicher Dreifaltigkeit anfangen konnte, entschied sich, eine eigene Geschichte zu erfinden. Und so wurden aus den Schicksalsfäden der Nornen die Geschichte, dass die Jungfrau Maria mit 10.000 Jungfrauen das Land mit Seide überspinnen würde. Doch auch in dieser Geschichte steckt noch viel alte Wahrheit. Denn die Jungfrau Maria, die dann zur Mutter Maria und zu Königin des Himmels wird, ist das Überbleibsel der Großen Göttin, was die auch die Kirche nicht wegdiskutieren konnte, wollte sie den Menschen ihren neuen Glauben aufdrücken.

Die Spinne steht in vielen Kulturen – auch in Europa – als Symbol für die Große Mutter, die Große Göttin, Frau Holle. Bei einigen Native American Tribes und First Nations ist es Spiderwoman oder Mother Spider, die das Schicksal der Welt spinnt. Es war die Spindel bei Dornröschen, die die 13. Fee nutzte um das Mädchen zur Frau werden zu lassen – ja, der Blutstropfen stand für etwas, die Menarche der Prinzessin! Und auch unser Lametta kommt von einer Spinne.

Als die Weisheit noch gesponnen hat

Und so glänzten damals wie heute die langen Fäden im Sonnenlicht wie lange, silberne Haare. Und die Schicksalsfäden der Nornen und Zauberfäden der Feen wurden zu den langen weißen Haaren, die alte Weiber beim Kämmen verloren hätten. Frau Holle lässt grüßen! Und mit ihr die Nornen unterm Weltenbaum. Denn damals war „altes Weib“ noch kein Schimpfwort, die weise Alte existierte noch im Bewusstsein der Menschen, die Große Göttin war noch spürbar in der Natur und in den Mythen. Die Frau jenseits der Menopause wurde noch geehrt und geachtet.

Und so glaubte man, es bringe Glück, wenn sich Spinnfäden an die Kleidung heften. Verfingen sie sich im Haar junger Mädchen, stand eine Hochzeit bevor. Es war quasi eine Initiation durch Mutter Natur – das Mädchen wird zur Frau. Auch der Ausdruck:“ Die spinnt doch!“ hat hier seinen Ursprung – in dem Schicksalsspinnen der weisen Frauen. Die spinnenden Frauen waren immer machtvoll. Und so können wir uns auch dieses Sprichwort zurückerobern.


Lange Zeit wurde das Jahr nur in 2 Jahreszeiten eingeteilt: Winter und Sommer. Es gab den jungen Weibersommer und den alten Weibersommer – die Zeit der Spinnenfäden – das war wir heute als Frühling und Herbst kennen. Weiben ist ein althochdeutsches Wort für weben. Es ist die Spinne, die ihr Netz webt, und damit ist es für mich auch der Gedanke an die alte Frau, die unablässig den Weltenteppich webt, den Lauf der Dinge bestimmt. Und wenn wir Glück haben, verfängt sich einer ihrer magischen Fäden in unseren Haaren und damit ein wenig ihrer unendlichen Weisheit.

Lass uns diese magische Zeit genießen, unsere eigenen grauen Haare feiern und gemeinsam das Leben spinnen. Passend dazu gibt es im Oktober Sovereign Sister – ein kostenfreies Event in dem wir tiefer in die alten Geschichten und die uralte feminine Weisheit eintauchen.