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Wenn du dich fragst, wieso zu Christi Himmelfahrt grölende betrunkene Männergruppen durch die Gegend ziehen und warum wir überhaupt Christi Himmelfahrt feiern, dann bist du hier richtig. Denn wir machen uns auf zum Ursprung – der Geschichte vor der Geschichte.

Die christlichen Feiertage nehmen die meisten von uns wahr, wenn sie uns einen freien Tag bescheren oder mit familiären Traditionen verknüpft sind. Ich nutze ja immer die Gelegenheit zu schauen, was die Geschichte hinter der Geschichte ist. Denn oftmals ist es so, dass christliche Feiertage bewußt auf heidnische Feiern gelegt wurden oder Geschichten geschaffen wurden, die der ursprünglichen Mystik entsprachen und dann leicht abgewandelt mit anderen Protagonisten zur neuen Geschichte wurden. So nahm man den Menschen nicht komplett ihre Tradition, sorgte durch das neue Narrativ jedoch dafür, dass diese spätestens 2 Generationen später in Vergessenheit gerät.

Wie alles begann

Wenn du dich jetzt fragst, was denn an Christi Himmelfahrt irgendwie naturspirituell sein soll, dann habe ich was für dich. Denn: ganz früher, als die Mondzeit noch ein rhythmusgebendes Element war, galten eben diese Abstände – von Mond zu Mond. Beltane wurde immer am 5. Vollmond nach der Wintersonnenwende gefeiert. Doch die Feierlichkeiten dauern nicht nur einen Tag. Zum Vollmond wurden die Feuer entzündet, die Bräuche wurden in den kommenden Tagen und Wochen durchgeführt. Denn die Vermählungen, Tänze um den Maibaum, Segen der Felder und Tiere braucht Zeit. So ist Beltane eine Feier und gleichzeitig läutet es eine Zeit der Vermählung und Fruchtbarkeit ein. Bis zur Sommersonnenwende der Sonnengott Baldur seine absolute Stärke erreicht.

So wurde zu Beginn des Christentums die lange Feierzeit übernommen. Man feierte nach Ostern, welches auch ein Mondfest ist, gut 50 Tage bis zu dem Fest, welches wir heute als Pfingsten kennen. Doch schon um 370 nach Christus wurde dieser Brauch verändert. Nun feierte man Christi Himmelfahrt auf einmal als eigenes Fest – in Anlehnung an die 40tägige Fastenzeit. Im Mittelalter wurde im Zusammenhang mit der Missionierung und Christianisierung auch die Feierlichkeit zu Christi Himmelfahrt immer „populärer“.

Wie der Spirit ausgetauscht wurde

Was sich lange erhalten hat, waren die Bitttage, abgeleitet von dem Segnen der Felder, welche Ende des 4. Jahrhunderts als Alternative zu den heidnischen Bräuchen eingeführt wurden. Langsam verschwanden die alten Bräuche und aus dem Feldsegen wurde ein Grundbesitz-Umgang. Dieser wurde von den Herren begangen und nach und nach mit mehr Alkohol begleitet. Man tauschte den „Spirit“ gegen den „Sprit“… so entstand dann das, was wir heute als grölende Männergruppen mit Bollerwagen kennen. Deswegen wurde es auch der Vatertag, denn es waren die Väter, die das Grundstück umschritten.

Es lohnt sich also immer einen Blick hinter die vermeintliche Geschichte zu werfen. Gerade das Beispiel von Christi Himmelfahrt zeigt, wie die Kirche systematisch heidnische und urtümliche Zusammenhänge auseinandergerissen hat und diese in kleine Elemente untergliedert hat. Dies ist ein klassisches Element der Kolonialisierung und Missionierung.

Veränderung des Narrativ

Stellen wir uns vor, dass die Geschichten einer Kultur aus einer Buchreihe bestehen. Teile ich diese voneinander, vergessen die Menschen, dass es eigentlich eine Reihe war. Trenne ich dann auch noch die einzelnen Kapitel aus jedem Buch und tue so, also ob diese überhaupt nicht miteinander zusammenhängen sorgt dies dafür, dass der rote Faden des Gesamtwerks verloren geht. Diese „Kurz-Geschichten“ kann ich dann weiter abwandeln und meinem Narrativ entsprechend verändern, denn keiner weiß mehr so genau, warum sie eigentlich so erzählt wurden, wie sie erzählt wurden. Wenn ich dann obendrein die einzelnen Stämme noch umsiedele, ihnen also auch noch die landschaftlichen Marker und Erinnerungen nehme, in denen die Geschichten und Traditionen leben, dann habe ich innerhalb von wenigen Generationen ein entwurzeltes Volk, welches sich nicht mehr wirklich daran erinnert, wer sie eigentlich sind. Mehr dazu hier

Diese Menschen stolpern dann in Gruppen besoffen durch die Gegend, anstatt sich daran zu erinnern, dass sie eigentlich mal in tiefer Verbundenheit mit der Natur um deren Segen für ihre Ernte gebeten haben.

Vieles von dem was wir aktuell in der Welt beobachten können geschieht aus dem Gefühl der Entwurzelung, aus der verzweifelten Suche nach der Wahrheit oder Antworten in den falschen Geschichten, aus der daraus entstehenden Wut und dem Frust, welcher an denen ausgelassen wird, die symbolisch für all das stehen, weswegen die Bücher getrennt wurden.

Wiederverbindung im Hier und Jetzt

Erlauben wir uns wieder die alten Geschichten zu hören, machen wir uns die Mühe nach dem zweiten Teil oder der ersten Version zu suchen, dann lauschen wir einer Mythologie, welche uns inneren Frieden und Verwurzelung geben kann. Sogar an so einem Tag wie Christi Himmelfahrt.

Wenn du Lust hast nutze den Tag also, indem du hinaus gehst in deinen Garten oder auf deinen Balkon trittst und um Segen bittest. Laufe das Land ab, auf dem du zuhause bist – das kann auch dein Viertel in der Großstadt sein – und bitte um den Segen, bzw. segne es. Gebe Wasser auf die Straßenecken mit der besten Intention für alle die dort leben, bitte um Wachstum und eine gute Ernte für alle – das können dicke Früchte am Tomatenstrauch sein oder gut gehende kleine Läden, die für Fülle und Vielfalt stehen. Bevor du losziehst, bitte deinen Ahnen um Unterstützung, sie erinnern sich an das was vorher war. Vielleicht bekommst du ja auch noch etwas Inspiration, wie Blumen streuen, ein Lied singen, oder andere Gaben. Traue dich dem zu folgen.

Ich wünsche dir einen wunderbaren Gang und eine gute Verbindung mit deiner Umgebung. Und ich freue mich zu erfahren, wie es dir mit Christi Himmelfahrt nun geht.