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Das lange Pfingstwochenende steht vor der Tür – die meisten von uns freuen sich über den freien Montag. Doch woher kommt Pfingsten eigentlich? Und wie können wir seine ursprüngliche Bedeutung auch noch in der heutigen zeit nutzen?

Die Ursprünge von Pfingsten finden sich in alten germanischen Maifesten und vorchristlichen Traditionen. Der Mai war ein Monat voller Feiern – es ist wieder warm, der Sommer hat endgültig über den Winter gesiegt, alles blüht. Und so reihten sich die Feierlichkeiten aneinander – das was wir heute als Walpurgisnacht, Christi Himmelfahrt und eben auch Pfingsten kennen. Damals wurde das alte germanische Maifest am zweiten Vollmond nach der Frühjahrstagundnachtgleiche gefeiert und dem schlossen sich weitere Feierlichkeiten und Bräuche an.

Pfingsten, so wie wir es heute kennen, ist aus einer Mischung von jüdischen Gebräuchen und christlicher Lehre, entstanden, welche sich dann, um die „gemeine“ Bevölkerung von der neuen Tradition zu überzeugen, mit germanischen Elementen gemischt hat. Doch noch bis in die heutige Zeit gibt es einige alte Traditionen, die regional überlebt haben. Denn früher gab es nicht das eine Deutschland, sondern es gab viele Stämme und Siedlungen, welche ihre eigenen Versionen der allgemeinen Bräuche hatten. So wird mancherorts weiterhin am Montag der Pfingstochse geschmückt und gemeinsam mit dem Kühen auf die Weide getrieben. Und beim Dreckschweinfest springen bunt bemalte Männer in eine Schlammkuhle um den Winter endgültig zu vertreiben.

Von Feuerzungen zu weiblicher Urkraft

Die christliche Erzählweise ist etwas anders. Dort senken sich zu Pfingsten die „Zungen von Feuer“ auf die Apostel herab. Dechiffriert waren diese nichts anderes als die Erkenntnisse, Offenbarungen und die Weisheit des Heiligen Geistes. Und hinter dem heiligen Geist steht ganz ursprünglich die jüdisch-christliche Urgöttin Sophia – auch bekannt als Shakinah. Sophia wurde als allumfassender Geist verehrt, stellt den Anfang der Schöpfung dar und gilt als die Quelle der Kraft. In der Bibel taucht sie als die uralte „Frau Weisheit“ auf. Später wurde aus ihr der Heilige Geist, verkörpert durch die Taube. Denn weibliche Weisheit passte eben nicht in das Konzept der Kirchenmänner.

Besinnen wir uns jedoch auf die Geschichte hinter der Geschichte, dann ist Pfingsten das Fest, an dem wir uns besonders gut mit dieser weisen weiblichen Urkraft in uns verbinden können. Es ist eine Einladung uns mit der Sophia in uns und um uns zu verbinden. Und so öffne auch ich dieses Wochenende mein Arme zum Himmel, um all die wunderbaren Ideen einzufangen, die mir die Göttin im wahrsten Sinne des Wortes „einflüstern“ will. Für dieses Pfingsten habe ich mir eine 5-schrittige S.O.F.I.A. Zeremonie zusammengestellt.

Deine S.O.F.I.A. Zeremonie

STRIP: Als erstes trete ich der uralten Frau Weisheit so entgegen wie ich bin. Ich lege alles nieder, was ablenkt. Schmuck, Schminke, Schischi. Es ist fast ein wenig so wie beim Gang der Inanna in die Unterwelt, wo sie an jedem der sieben Tore eines ihrer Insignien ablegt. Was kannst du ablegen? Dazu gehören auch die Ideen davon, wie die Zeremonie laufen soll, die Vorstellungen davon, welches Ergebnis ich gerne hätte und das Festhalten an Wünschen zu potentiellen Botschaften. Das einzige, was ich behalte ist, für welches Thema ich mir eine Eingebung wünsche, wo ich noch einen kreativen Schub benötige oder neue Einsichten brauche, weil ich vielleicht feststecke.

OFFERING: Für mich ist eine Zeremonie ein geben und nehmen – genau in dieser Reihenfolge. Ein Offering kann Räuchern sein, Süßes für die Ahnen, Blumen für die Göttin, Nüsse für die Erdwesen, Kekskrümel für die Feen – was auch immer für dich in deiner Umgebung stimmig ist. Das größte Offering bist du selber. Deine Bereitschaft dich hinzugeben. Um meine Hingabe zu symbolisieren tanze ich oder singe. Tanzen ist Bewegung, Ekstase und Chaos – die perfekte Grundlage um die Weisheit der weiblich schöpferischen Kraft zu empfangen. Heutzutage sehen wir diese At von Hingabe noch in den Tänzen der Sufis.

FOCUS: Nach der fließenden Bewegung werde ich ruhiger und fange ich an durch meinen Atem die Energie zu fokussieren. Ich erinnere mich an den Fokus, den ich mir gesetzt habe. Als Symbol für die Erleuchtung, die „Zungen aus Feuer“, zünde ich mir eine Kerze an, fokussiere mich und beginne bewusst ein und aus zu atmen. Beim Einatmen nehme ich die Energie und Weisheit des Feuers in mir auf, beim Ausatmen gebe ich sie in mein ganzes System. Ich lasse die Ideen kommen, die Einsichten fließen und neue Erkenntnisse sich formen. Manchmal dauert es etwas, bis Bewegung entsteht. Ich atme so lange bewusst und lasse die Gedanken so lange in Bewegung, bis ich das Gefühl habe, es ist gut. dann sitze ich noch etwas länger und spüre nach. Es hilft sich dafür einen Wecker zu stellen, 10 Minuten sind eine gute Zeit. Dann büchsen wir nicht zu früh aus. Selbstverständlich kannst du auch länger sitzen bleiben, wenn du willst.

INTENTION: Um eine klare Intention zu setzen, schreibe ich nun auf, was ich gesehen, gespürt, gehört oder wahrgenommen habe. Das Festhalten dieser Essenz begleite ich mit Rauchwerk, wobei Weihrauch die Verbindung nach oben hält und Thuja für Klarheit sorgt. du kannst auch anderes Rauchwerk verwenden oder einen Aura Soma Pomander. Mach es für dich passend. Zu Pfingsten wird zum „Heilig-Geist-Schwingen“, eine geschnitzte Taube durch eine Öffnung der Kirchendecke herabgelassen und mit Weihrauch und Gebet empfangen und so empfange auch ich, was noch durch mich fließen will. Das empfangende Gebet ist für mich das Aufschreiben meiner Erkenntnisse oder Zeichnen der Bilder, die sich gezeigt haben. Für mich passt dabei dieses Mantra hervorragend, denn es gibt mir gleichzeitig einen guten Zeitrahmen.

ALIGNMENT: Nun richte ich mich aus. Denn das was empfangen wurde, soll in die Welt gebracht werden. Nach der feminin kreativen Energie, widme ich mich nun der manifestierenden maskulinen Energie. Ich lasse eine Struktur entstehen, in der die Essenz fließen kann, schreibe Sachen neu und ordentlich auf und erstelle Listen. Das Ausrichten verhilft mir zu einem klaren Überblick und dabei das Empfangene auf die Erde zu holen und greifbarer zu machen. Im Anschluss kommt nun die Frage: wie kann ich meinen Ochsen durchs Dorf treiben? Um die umsetzende Energie ins Fließen zu bringen finde ich für mich jeweils 5 Dinge, die ich innerhalb der nächsten 48 Stunden, der kommenden 7 Tage und bis Ende des Monats tun kann, um die Intention zu setzen und die Energie zu halten. Und dann lege ich los.

S.O.F.I.A. kann dir selbstverständlich auch jederzeit außerhalb von Pfingsten helfen. Für mich ist es immer besonders kraftvoll Zeremonien zu gestalten, die im Einklang mit den alten Rhythmen und Gebräuchen meiner Ahnen sind. Ich nutze diesen Moment dann auch immer, um mich mit ihnen zu verbinden. Und so bekommt die Geschichte von Pfingsten für mich eine Bedeutung, die weitaus tiefer ist als die, die mir an der Oberfläche vermittelt wurde. Die Geschichte hinter der Geschichte erinnert uns daran, wer wir eigentlich sind. Sie erlaubt es uns, uns wieder zu verwurzeln. Sind wir verwurzelt, können wir klar Entscheidungen treffen und haben Zugang zu unserer Kraft.