Die Macht der Entscheidungen

Die Macht der Entscheidungen

Jeden Tag trifft jede von uns Entscheidungen. Wir entscheiden uns für etwas, wir entscheiden uns gegen etwas – und damit dann auch wieder für etwas anderes – und manchmal entscheiden wir uns uns nicht zu entscheiden. Oder wir überlassen anderen die Entscheidung. Und das ist der Moment, in dem wir unsere Macht abgeben und aktiv aus unserer Schöpferinnenkraft gehen. Denn: Eine Entscheidung zu treffen bedeutet auch immer in meine Macht zu gehen.

Was passiert, wenn wir darauf warten, dass das Leben für uns entscheidet? Wenn wir darauf warten, dass das Leben für uns entscheidet, dann geben wir den Leben Macht über uns – oder genauer gesagt: wir geben allem anderen Faktoren und Menschen Macht über uns. In diesem klassischen moment, in dem ich sage:“Ich weiß nicht. Ich warte mal ab, was Anna sagt.“, in diesem Moment gehe ich aus meiner Macht, ich gebe meine Macht an jemanden anderes ab.

Damit ist die unterschwellige Botschaft: Ich gebe die Macht über mein Leben und darüber, wie mein Leben läuft, an jemanden anders ab. Das hört sich erst einmal krass an, doch spür dort ruhig mal rein. In dem Moment darf jemand anderes darüber entscheiden wo und wie du dein Leben verbringst. Das gilt überigens auch, wenn ich sage, dass es mir egal ist, was wir gemeinsam unternehmen.

Es geht nicht um die Entscheidung, sondern um die Konsequenzen

Wir treffen jeden Tag viele kleine Entscheidungen. Wir entscheiden uns, die Zähne zu putzen. Wir entscheiden uns, einen Kaffee einen Tee zu machen. Wir entscheiden, was wir anziehen. Wir entscheiden, dass wir jeden Morgen in die Bahn steigen oder aufs Fahrrad steigen oder jeden Morgen Porridge essen, das sind alles Entscheidungen, die wir treffen. Viele Entscheidungen haben wir automatisiert. Wenn also jemand sagt, dass es ihr schwer fällt Entscheidungen zu treffen, dann lade ich die Person gerne ein, da nochmal drüber zu reflektieren.

Denn es ist in Wirklichkeit nicht, dass Entscheidungen als solches schwer fallen. Sondern diese spezielle Entscheidung, weil sie eventuell mit Konsequenzen verbunden ist, die die Person nicht tragen will. Oder in denen wir uns nicht selber vertrauen. Und in solchen Momenten gehen wir aus unserer Macht. Denn wir gehen raus aus dem Moment, wo ich sagen kann, ich übernehme die Verantwortung für mein Leben.

Vermeide ich die Entscheidung, verneine ich die Macht.

In dem Moment, wo ich mich nicht traue, eine Entscheidung zu treffen, gibt es zwei Gründe. Der eine Grund ist oft der Zeitpunkt. Es kann sein, dass ich wirklich noch nicht genug Informationen habe und deswegen warte ich noch ab. In dem Moment kann ich bewusst entscheiden, abzuwarten und sagen:“ Hey, ich brauche noch einen Moment Zeit.“ Was dann übrigens eine klare Entscheidung ist.

Wenn ich allerdings abwarte, um etwas hinauszuzögern und zu hoffen, dass jemand anders für mich entscheidet, dann steht da eigentlich hinter, dass ich mir selber nicht vertraue, meiner Entscheidungskraft nicht vertrauen, dass ich aus meiner Macht rausgeht, dass ich mich persönlich selber in eine Ohnmacht begebe. Das bedeutet kurz gesagt ich übernehme nicht die Verantwortung für mein Leben.

Wenn ich keine Entscheidungen treffe, lehne ich die Verantwortung für mein Leben ab. In dem Moment, wo ich Verantwortung ablehne, gehe ich aus meiner Macht und da sind wir wieder bei dem Satz: Du bist die Antwort auf deine Fragen.

Vom Opfer zur Schöpferin

Wenn du eine Entscheidung nicht treffen kannst, dann frage dich: Was fehlt mir? Was fehlt mir, um diese Entscheidung zu treffen? Und wenn es das Selbstvertrauen ist, weil du dir selber nicht vertraust, dann frag dich warum vertraust du dir selber nicht? Wir zweifeln vergangene Entscheidungen an, wenn wir im Hir und Jetzt nicht zufrieden sind. Dann fangen wir an Entscheidung aus der Vergangenheit anzuzweifeln. Doch im Kern geht es darum, hier wieder eine Entscheidung zu treffen und die Verantwortung zu übernehmen.

Denn wenn ich mich über meine alte Entscheidung beschwere, gehe ich wieder in eine Opferhaltung und mache mich zum Opfer meiner Vergangenheit. Ich stehe meiner Vergangenheit ohnmächtig gegenüber. Ich stilisiere mich zum Opfer meines jüngeren Ichs. Doch wenn es Entscheidungen gibt, wo du rückblickend sagst: „ Das war nicht so geil, das hätte ich anders gemacht.“, dann muss die Frage dazu direkt lauten: „ Was würdest du heute anders machen? Was kannst du hier und jetzt tun, um diese diesen Weg, den du eingeschlagen hast, so zu kreieren, dass er wieder deiner ist, dass er dich glücklich macht, dass er dich erfüllt?

Entscheidungen als Power-Tool

Warum ist das Thema Entscheidungen so wichtig? Es ist so wichtig, dass wir Frauen wieder in unsere Macht kommen. Die Schöpferinnenmacht wieder verkörpern. Der Anfang ist, jedes Mal, wenn mich jemand etwas fragt, nicht zu sagen, „weiß ich nicht“ oder „ist mir egal“. Sondern zu sagen:“ Das kann ich dir vielleicht jetzt noch nicht sagen“ „Ich muss das mal sacken lassen.“ Aber nicht mehr zu sagen ich weiß es nicht und jemand anders entscheiden zu lassen.

Das ist der allererste Schritt in deine Macht. Du wirst merken, was für ein Unterschied es macht, wenn du tagtäglich anfängst, bewusst Entscheidungen zu treffen.

Ich feiere dich schon jetzt für all die Entscheidungen, die du ab jetzt treffen wirst. Und freue mich über all die Macht, die du dir damit zurück holst. Zu wissen, dass wir mit jeder Entscheidung somit auch das Patriarchat ein wenig mehr zum wackeln bringen. Denn wenn Frauen wieder in ihre Macht kommen und souveräne Entscheidungen treffen, dann verändern sie die Welt.

Und wenn du deine Entscheidung für Becoming You treffen willst, dann geht es hier lang.

Verbindung mit den Ahnen mal anders

Verbindung mit den Ahnen mal anders

Wenn es um Ahnenarbeit und Ahnenverbindung geht, dann stehen oft die folgenden Fragen im Mittelpunkt: Wie kann ich mich am besten mit meinen Ahnen verbinden? Wie schaffe ich einen Raum, in dem ich meine Ahnen spüren kann? Und oft ist der erste Impuls, der gegeben wird: Baue einen Altar. Auch ich mache das, und gleichzeitig gibt es neben dem Altar noch weitere bodenständige und sehr kraftvolle Kanäle, auf denen wir uns mit der Energie unserer Ahnen verbinden können und durch die wir Heilung in die Linie und unser System bringen können.

Ancestral Food

Auch wenn ich es liebe, asiatisch essen zu gehen, sobald ich die alten Rezepte meiner Ahnen koche, passiert etwas in meinem Körper. Unser Körper erinnert sich an die Energie des Essens und bestimmter Nahrungsmittel. Bereiten wir diese dann mit der Intention der Ahnenverbindung zu, können wahrlich magische Genüsse entstehen. Das kann dadurch passieren, dass wir klassische Gerichte aus der Region zubereiten oder essen – in Ostwestfalen ist es der Pickert, in Ostfriesland das Schwarzbrot – oder bewusst auf „alte“ Zutaten wie Urweizen zurückgreifen. Das kann bedeuten, dass wir uns mit alten Zubereitungsformen auseinandersetzen oder die Lieblingsrezepte unserer Großeltern kochen – wenn wir diese kennen. Wir können jahreszeitentypische Mahlzeiten zubereiten und vor allem das Kalorienzählen zu Seite zu schieben – ist dies doch eine sehr moderne Angelegenheit. Kochen und backen können Zeremonie sein – wenn wir es dazu machen. Wir können es als eine Notwendigkeit betrachten oder wir können es bewusst nutzen, um einen Raum für die Energie unserer Ahnen zu schaffen. Ich habe mir angewöhnt vorm Kochen und Backen immer meine Ahnen dazu zu rufen, so bereite ich niemals allein Nahrung zu. Und am Ende schmeckt es anders und nährt mich anders – der erste Bissen wird dabei dann immer für die Ahnen beiseite gestellt. Denn sie essen mit uns und so erkenne ich an, dass ich durch sie genährt werde.

Ancestral Songs

Direkt vorweg: Nein, es geht hier nicht um Volksmusik. Und doch geht es darum, die alten Lieder der Menschen die vor uns kamen, wieder erklingen zu lassen. Das können im deutschsprachigen Raum alte Volkslieder sein, in anderen Kulturkreisen kommen noch die alten Rhythmen dazu. Es können Kompositionen für Instrumente wie Flöte, Leier – mit die ältesten Instrumente in Europa – oder schamanisches Trommeln sein. Viele der alten Lieder sind nicht festgehalten und ihre Tonfolgen nicht notiert – wir können sie also nicht korrekt wiedergeben. Doch wir können uns mit der Energie der singenden, klingenden Ahnen verbinden, wenn wir die alten Volkslieder singen oder zu der Leier summen, die Trommeln schlagen oder in die Flöte pusten. Wir können unsere Ahnen einfach einladen durch uns zu singen und zu tönen und uns überraschen lassen, was sich den Weg bahnt. Denn: viele der alten Tonfolgen können sich für unser Ohr ungewohnt anhören. Was wir wissen ist jedoch, dass Menschen seit ziemlich langer Zeit zusammenkamen, um zu singen und Musik zu machen. Und wenn wir in diese Energie eintauchen, dann können wir uns mit unseren Ahnen verbinden.

Ancestral Rhythms

Vor der Erfindung der mechanischen Zeit im 14. Jahrhundert durch katholische Mönche und der Einteilung der Welt in Zeitzonen im 19. Jahrhundert lebten die Menschen noch deutlich mehr im Rhythmus mit der Natur. Es war die Natur, die ihnen den Takt vorgab, nicht der Takt, dem sich die Natur unterwerfen sollte. Werden wir von der Uhr beherrscht und befindet sich unser Nervensystem im permanenten Stress und Zeitdruck, so kann die Verbindung mit Sonne, Mond, Pflanzen und unseren Gebärmüttern uns den Weg zurück in die natürliche Zeit, die Ahnenzeit, zurückweisen. Dabei hilft es zu überlegen – was würde ich jetzt machen, wenn es keinen Strom geben würde? Die Orientierung am Jahreskreis und dem Lauf der Planeten sorg nicht nur für einen Ahnenverbindung, sondern auch für eine Verbindung mit der Natur. Diese Verbindung zur Natur erlaubt es uns dann an die alten Weisen anzuknüpfen – wir spüren, wie in dieser Art der Kommunikation mit unseren Ahnen eine neue Betrachtung auf die täglichen Abläufe entstehen kann. Diese Verbindung kann heilsam für unseren Körper und unser Nervensystem sein, denn die verändert unser Verhältnis zur mechanischen Zeit. Auch wenn diese weiterhin als Orientierungspunkt dient, so gibt sie nicht mehr zwangsweise den Takt vor. Sind wir müde können wir zu Bett gehen, auch wenn es „noch zu früh“ ist, denn die Uhr ist eine Orientierung und nicht der Taktgeber. Das ist unser Körper und die Natur. Durch die Verbindung mit unseren Ahnen auf dieser Ebene können wir eine tiefe Heilung begehen.

Ancestral Medicine  

Die Medizin der Ahnen nutzen bedeutet jetzt nicht, dass wir uns alle Blutegel ansetzen müssen und die Adern öffnen. Es ist vielmehr eine Einladung in Verbindung mit der alten Weisheit die alten Mittel wieder zu entdecken und anzuwenden, bevor wir zu modernen pharmazeutischen Produkten greifen. Lange Zeit war üblich Tee nicht nur für den Geschmack, sondern auch aufgrund seiner Wirkung zu trinken. Pflanzenmedizin war zum Teil eben auch präventiv – so wurde Tee gegen Menstruationsbeschwerden schon einige Zeit vor der Blutung getrunken, was möglich ist, wenn ich meinen Zyklus kenne und mit ihm verbunden bin. Gegen Gelenkschmerzen gab es wirkungsvolle Kohlwickel anstatt Schmerztabletten, gegen Kopfschmerzen Mädesüß. Es bedeutet uns wieder an die heilende Wirkung einer Berührung zu erinnern, das magische Pusten der Mutter, wenn es weh tat, oder die Beruhigung unseres Nervensystems durch tiefen Atem oder durch eine lange Umarmung. Ahnen-Medizin ist die Rückverbindung in eine ganzheitliche Betrachtung des Systems. So wie wir, wenn wir uns mit unseren Ahnen verbinden, uns auch als Teil einer Linie sehen. Und erkennen, dass manche Symptome nicht im Ursprung unsere sind, sondern die unserer Ahnen und am besten mit ihrer Medizin geheilt werden können. Ich selbst trinke meinen Kräutertee mittlerweile bewusster und erinnere mich immer daran, dass auch meine Ahninnen höchstwahrscheinlich einen ähnlichen Tee getrunken haben.

Ancestral Altar

Ein Altar ist der Ort, an dem wir unseren Fokus bewusst setzen und unsere Energie gezielt bündeln. Er ist die manifeste, lebende Erinnerung an die Dinge, die uns wichtig sind. Ein Altar wird bestückt mit Gegenständen, die etwas symbolisieren. Durch die Regelmäßigkeit der Aktivierung des Altars, vertiefen wir die Verbindung zu der Energie, für die wir den Altar errichtet haben. Für einen Ahnen-Altar kannst du einfach eine Kerze aufstellen oder Gegenstände, die du mit deinen Ahnen oder deinen Wurzeln verbindest zusammenstellen. Die bewußte wiederholte Anrufung der Ahnen schafft einen immer kraftvoller werdenden Raum, in denen du deinen Ahnen begegnen kannst. Dabei muss nicht immer spektakuläres passieren. Es geht im Kern um die Anerkennung und Ehrung deiner Wurzeln, darum deine Ahnen wissen zu lassen, dass du weißt, dass sie da sind. es ist eine Möglichkeit mit ihnen ins Gespräch zu gehen. Und offen darüber zu sein, welchen Antwortkanal sie sich wählen.

Den Faden wieder aufnehmen

Dies sind nur fünf Optionen uns mit unseren Ahnen zu verbinden, ohne direkt in die gezielte Ahnenarbeit zu gehen. Auch wenn die Verbindung mit dem Ancestral Food zu einer Veränderung von unserem Essverhalten führen kann oder sich Verdauungsthemen lösen können. Diese Optionen sind Einladungen im Alltag wieder mehr den Raum mit unseren Ahnen zu teilen und uns mit ihrer Weisheit zu verbinden. Denn jede Linie hat neben den diversen Traumata eben auch ganz viel Weisheit. Diese kann sich uns in diesen Bereichen einfach und leicht erschließen. Und es ist wie mit allem: wir dürfen auch einfach mal so mit unseren Ahnen verbunden sein, ohne zu arbeiten oder transformieren zu müssen. Einfach nur weil wir es gerne wollen. Wir können gemeinsam essen oder zusammen bei einem Tee sitzen und die gegenseitige Präsenz wahrnehmen und genießen. Nicht mehr und eben auch nicht weniger.

Doch im Prinzip sind wir immer mit unseren Ahnen verbunden, denn wir sind das Resultat der Gebete unserer Ahnen. Wir sind ihr Erbe, wir sind ihr Vermächtnis. Jede von uns einzigartig gewoben aus all den Linien, die in dir zusammenfließen. Gehen wir in Verbindung mit unseren Ahnen – unabhängig davon, ob wir sie persönlich kennen oder nicht, dann erkennen wir diese Tatsache an und öffnen uns und unser System für diese tiefe Verbindung. Wir werden Teil von etwas Größerem, welches wir durch die obenstehenden Möglichkeiten der Verbindung verkörpern können.  Bis zur Einführung des christlichen monotheistischen Gottes, waren die Ahnen noch bei uns und in unseren Alltag eingebunden. Dem Alleinstellungsanspruch des christlichen Gottes mussten sie dann weichen. Wenn wir uns – wie so viele andere auf der Welt – wieder mit der Ahnenenergie verbinden, dann nehmen wir einen uralten Faden wieder auf, den wir dann bewusst in unser Leben weben können.

Gendergerechte Sprache und ahnengeprägte Gedanken

Gendergerechte Sprache und ahnengeprägte Gedanken

Genderst du schon oder weigerst du dich noch? Noch nie wurde so viel über Sternchen, Doppelpunkte und Schrägstriche diskutiert, wie im letzten Jahr – so fühlt es sich jedenfalls an. Und das ist meiner Meinung nach auch gut so. Was diese Diskussion jedoch auch zutage gefördert hat ist der Unwille weißer – manchmal gar nicht so alter und gar nicht so heterosexueller – Männer, sich produktiv an der Debatte zu beteiligen. Mit Hinweisen auf entstehende Sprachbarrieren wird darauf hingewiesen, dass kurze Intonationspausen quasi zur Schnappatmung führen könnten. Und nein, es liegt nicht am körperlichen Gesundheitszustand, dass die Herren – und ja auch viele Damen – sich weigern, sondern am geistigen Programm, welches dringend mal ein Upgrade bräuchte.

Unsere Sprache hat das maskuline Generikum als Ausgangspunkt. Und wer meint sich darauf ausruhen zu können, den muss ich enttäuschen – denn das war nicht immer so. Erst mit der Entstehung des Patriarchats war es essenziell den binären Unterschied zwischen Mann und Frau aufzumachen – sollte er doch den Herrschafts- und Dominanzanspruch des Mannes unterstreichen. Und da der Mann nun zum Maß aller Dinge wurde, wurde das maskuline Generikum zum Maßstab in der Sprache. Sprache bildet unsere Gedanken ab. Sprache zeigt, wie wir denken und fühlen. Und so kann bewusst geformte Sprache dazu führen, dass wir bestimmte Dinge eben nicht mehr hinterfragen.

Sprache schafft Bewusstsein

Sprache zeigt, was uns als Gesellschaft bewegt – so kennen die Schotten 400 Worte für Schnee, unter anderem „fleefle“ (Schnee, der um die Ecke weht) oder „flindrikin“ (leichter Schneeschauer). Sprache zeigt, wer wir als Gesellschaft sind, so kennen wir nur das maskuline Generikum. Was wir nicht hören, das denken wir nicht. Was wir nicht denken, das existiert nicht. Doch woran liegt es, dass es manchen Menschen anscheinend so schwerfällt, sich umzugewöhnen?

Der offensichtlichste Grund ist der des Machterhalts und der Privilegiensicherung. Denn: so lange das männliche Generikum gilt, solange ist der Mann weiterhin Maßstab der Dinge und sichert damit seine Position in der gesellschaftlichen Struktur. Es wäre ja nicht wirklich schlau, dies alles abzugeben für ein paar Gendersternchen. Ein weiterer Grund ist der Wunsch nach Sicherheit. Doch Sicherheit geht in diesem Fall auch mit Kontrolle einher – kontrolliere ich die Sprache, kontrolliere ich wie die Welt sich ausdrückt. Was bedeutet: wenn sich Sprache verändert, dann können sich aus gesellschaftlichen Strukturen verändern und ich kann mir nichtmehr sicher sein, wo ich am Ende dann lande. Und ein weiterer Grund ist die Notwendigkeit an Rollenmustern festhalten zu müssen, damit man die eigenen Verhaltensweisen und Lebensmodelle nicht hinterfragen muss. Denn wenn Sprache sich öffnet, dann öffnet sie eben auch Räume von Rollenzuschreibungen – das geht einher mit Karrieremöglichkeiten, Lebensformen, Charakterzügen, Stereotypen. Diese Öffnung des Raums kann Nervosität verursachen, denn aus einmal stehen Dinge, die eben noch als gegebene Tatsachen existierten zur Debatte.  Und dies sind nur drei Gründe, aus denen Menschen an verkrusteten Sprachstrukuren festhalten beziehungsweise so tun, als ob diese immer schon so gewesen wären.

Gendergerechtigkeit fordert Gesellschaftsstrukturen heraus

Oft wird auch das Argument angeführt, dass es eben nicht die besondere Ansprache aller Gender nötig wäre, man wüsste ja was gemeint ist. Gender wäre ja nun nicht wirklich so wichtig. Ein Beispiel, welches zeigt, wie eklatant falsch diese Aussage ist, ist der monotheistische patriarchale Gott – von dem wir uns ja angeblich kein Bildnis machen dürfen. Sobald ich diesen jedoch als Göttin bezeichne, stellen sich im Vatikan die roten Lackschuhe quer. Wenn Gender nicht so wichtig ist – warum wir es dann gerade an dieser Stelle so wichtig genommen? Was wäre, wenn Gott eine schwarze, queere, Frau wäre? Oder sogar eine schwarze queere nichtbinäre Person? Es würde die komplette christliche, jüdische und islamische Weltsicht in Frage stellen. Und genau deswegen ist gendergerechte und genderanerkennende Sprache so wichtig. Denn Sprache prägt unsere Sicht auf die Welt.

Was manche Personen neben fehlendem gesunden Menschenverstand daran hindert gendergerechte Sprache zu nutzen sind oftmals auch ahnengeprägte Gedankenmuster, die dazu führen, dass wir die Erfahrungen oder Überzeugungen unserer Ahnen übernommen haben. Das kann zum einen aus patriarchalen Strukturen die positiv erlebt wurden erwachsen sein – wenn ich den gewünschten Stereotyp folge, dann bin ich erfolgreich & gemocht. Oder aber aus dem genauen Gegenteil, indem traumatische Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Brechen der Geschlechtsstereotype in den Generationen vor uns gemacht wurden.  So war es vor noch nicht allzu langer Zeit für queere Menschen lebensgefährlich offen ihre Vorlieben zu leben. So war es für Frauen gefährlich Rechte einzufordern oder einfach nur das Recht über ihre körperliche Verfügbarkeit anzumerken. Woher auch immer es kommt, es ist an der Zeit diese veralteten epigenetischen Informationen zu transformieren und mit allen Gehirnzellen im Hier und Jetzt anzukommen.

Ahnengeprägte Muster erkennen bedeutet Freiheit

Dazu sei gesagt: auch ich habe bei mir einige dieser Gedankenmuster entdeckt – vielleicht nicht im Bezug auf Sprache, doch im Bezug auf patriarchale Idee definitiv. Das wir sie haben ist nicht unsere Schuld. Sie aufzulösen ist unsere Verantwortung. Wie das geht? Zum Beginn können wir all die Gedanken, die uns zum Thema gendergerechte Sprache kommen aufschreiben. Alle positiven kommen in eine Spalte, alle negativen in die andere. Dann nehmen wir die negativen und fragen uns: gab es in meinem Leben ein Ursprungserlebnis, welches diese Annahme oder diesen Gedanken begründet. Bei Ja: Zeit sich dem inneren Kind zuzuwenden. Bei nein: Zeit sich den Ahnen zuzuwenden. Denn dann haben wir es übernommen. Diese Sätze können wir dann gehenlassen zum Beispiel mit der Aussage: „Was auch immer passiert ist, ich erkenne es an. Doch es ist vorbei und ich lebe im Jahr 2021. Die Welt ist eine andere.“

Selbstverständlich können wir auch tiefer eintauchen, das Erkennen ahnengeprägter Strukturen allein kann jedoch schon sehr kraftvoll sein, denn erkannt ist schon zum Teil gebannt. Wir können ab dem Moment beginnen bewusst anders zu denken und zu entscheiden. Und damit einen neuen Raum öffnen – für tolerantere Handlungen, anerkennender Sprache und ein Miteinander, welches die Welt für unsere Enkelkinder auch noch lebenswert macht. Gendergerechte Sprache ist so viel mehr als nur Sternchen und Doppelpunkte – es ist die Entscheidung für eine gerechtere Welt jenseits von Dominanz und Beherrschung, hin zu einem wirklichen echten Miteinander, in dem wir alle gesehen werden und endlich so sein dürfen wie wir sind. Und wenn wir schon so sind, dann dürfen wir so bleiben – es verliert auf Dauer niemand, wir alle werden gewinnen. Schwer vorstellbar in einem System, in dem nur einer gewinnen kann. Und das ist genau die Macht gendergerechter Sprache: sie schafft eine neue Welt.

Die Macht der natürlichen Zeit und wie wir die Kontrolle verloren

Die Macht der natürlichen Zeit und wie wir die Kontrolle verloren

Wenn wir an Zeit denken, dann denken wir oft an die Uhr. Und nicht an die Zeit als solches. Die meisten von uns werden erlebt haben. wie sich in der Pandemie unsere Rhythmen verschieben haben, da Gewohnheiten sich verschoben haben. Für viele hat es sich so angefühlt, als ob mit dem Ende der Pandemie nach einer Pause die kollektive Stechuhr, wieder installiert wurde. Die Zeit ging weiter, wir sind alle mehr oder weniger wieder im alten Takt angekommen.

Das Interessante daran ist, dass es im Kern nicht erstaunlich ist, dass sich die Taktung der mechanischen Zeit für viele eher einschränkend als befreiend anfühlt. Denn es ist eine Zeit, die entkoppelt ist von Realität und Umgebung. Die Uhr tickt, unabhängig von dem, was im Leben passiert. Unerbittlich. Und kleine Hinweise lassen darauf schließen, dass unser natürliches Verhältnis zur Zeit eigentlich ein anderes ist, als das, was die Taktung unserer Gesellschaft uns vorgibt. So verschob sich während der Lockdowns die sogenannte Duschspitze von 7 auf 9 Uhr morgens. Die Duschspitze ist der höchste Wasserverbrauch am Morgen – ohne Schule und Anfahrt zum Büro blieben die Menschen länger liegen – man hätte ja auch freiwillig weiterhin früh aufstehen können. Denn die Zeit treibt uns.

Von Orientierungshilfe zum Taktgeber

Entstand Zeit früher in Zusammenhang mit Natur und Ereignissen, so orientiert sich heute unser Lebenstempo an der Zeit. Sprach man früher davon, dass das Jahr, in dem Anna ihre Tochter gebar einen besonders heißen Sommer hatte, spricht man heute davon, dass Anna vor ihren 30 Lebensjahr gebären sollte. Bis zum 14. Jahrhundert orientierten sich die Menschen, wenn es um zeitliche Einordnungen von Erlebnissen ging, an Naturgegebenheiten.

Heute orientieren wir uns an einem mathematischen Konstrukt, welches dafür gesorgt hat, dass wir nun auch Ereignisse, die noch nicht passiert sind, an einer fiktiven Zeitlinie ausrichten. Das pünktliche Geschehen oder eben Nichtgeschehen dieser Ereignisse definiert dann unseren Lebenserfolg. Wurde Zeit früher im Zusammenhang mit Natur und natürlichen Rhythmen erlebt, so wird sie heute als vorgebender Taktgeber erlebt. Gab früher die Sonne die Zeit vor, ist es heute die Uhr. Wir haben uns komplett vom Rhythmus der Natur entfernt und wundern uns, warum wir immer so gehetzt sind, das Gefühl haben nicht schnell genug zu sein oder dass irgendwie nie genug Zeit da ist.

Die längste Zeit der Menschheitsgeschichte orientierten wir uns an den Rhythmen der Natur, wenn es darum ging Zeit zu definieren. Sonnenuhren teilten den Tag ein – wobei je nach Jahreszeit die Dauer der Stunden variierten. Zeit spiegelte wieder, wo wir uns innerhalb des Rhythmus der Natur befanden und half uns, uns zu verorten. Menschen beschrieben Ereignisse indem sie sich an der Natur orientierten – das Richtfest zum Supermond, die Geburt zur Sturmflut.

Und auch wenn es schon Kalender gab, so waren die einzelnen Tage eben nicht alle gleich lang, sondern veränderten sich mit den Jahreszeiten. Erst als Mönche begannen automatische Zeitmesser zu entwickeln, um eine Regelmäßigkeit und Ordnung in die Abläufe der Gebete und Abläufe im Kloster zu bringen, begann Zeit sich an regelmäßigen festlegbaren Abschnitten zu orientieren. Die Kontrolle über das spirituelle Engagement führte schlussendlich zur Kontrolle über unser aller Leben.

Gebete als Grundlage der Zeitmessung

Mit der Einführung dieser Zeitmesser begann die Abkehr von natürlichen Zyklen hin zu mechanischen Takten. Die Kirche sorgte quasi dafür, dass wir nicht nur die Verbindung zu unserer ursprünglichen Spiritualität verloren, sondern auch die Verbindung zu unseren natürlichen Rhythmen. Und die Folgen spüren wir bis heute. Der Versuch die Zeit zu kontrollieren hat dazu geführt, dass die Uhr uns kontrolliert.

Das, was wir als gegeben hinnehmen, die immer wiederkehrende Erschöpfung, das Gefühl des gehetzt seins, die Orientierung an glatten linearen Optimallebensläufen sind alles Folgen des Versuchs eine disziplinierte Taktung für christliche Gebete zu finden. Was die Mönche begannen wurde von den Briten besiegelt. Als globale Kolonialmacht wollten sie die Kontrollen über die Zeit in all den Ländern.

Dabei ging es um mehr als nur disziplinierte Gebetstaktung – es ging darum, den kolonialisierten Menschen den eigenen Takt aufzudrücken. Mit der Eroberung der Welt musste auch die damit zusammenhängende Zeit erobert und kontrolliert werden. Und so wurde 1884 die Welt in Zeitzonen eingeteilt, welches sich alle am britischen Empire orientierten – und es bis heute tun.

Früher orientierten wir uns an der Natur.

Heute leitet uns die Mathematik.

Mit der Aufteilung der Welt in Zeitzonen übernahm die mechanische Zeit die Herrschaft. Und mit dieser Herrschaft verloren wir mehr und mehr den Bezug zur Natur, zu unseren Körpern, zu unseren eigentlichen Rhythmen. Wir verloren den Bezug zu natürlichen Taktgebern, wie der Sonne und alle Bedürfnisse mussten sich nun der Uhr unterordnen – entschied sie doch nun darüber, ob es Zeit für etwas war. So wurde die Vorstellung einer getakteten Zeit zu einer Realität, der wir uns alle unterwerfen.

Heute schauen wir eher auf die Uhr als an den Himmel, hören auf den Wecker anstatt auf den Gesang der Vögel. Wir sind so abgeschnitten vom natürlichen Rhythmus, dass wir uns selbst im Urlaub oft durch den Blick auf die Uhr den Rhythmus vorgeben lassen.

Körperloser Rhythmus als Alltagstakt

Ich persönliche erlebe es immer wieder, dass ich gefragt werden, wann denn die richtige Zeit für etwas bestimmtes sei. Meine Antwort dazu ist, als erstes aus dem Fenster zu schauen: Ist es hell oder dunkel? Ist es Sommer oder Winter? Wo steht der Mond, wo steht die Sonne? Unsere Ahnen haben nicht gewusst, dass um 4.14 Uhr morgens der Vollmond exakt ist, sie haben sich an dem, was sie wahrnehmen konnten orientiert. Und ich bin mir sicher, dass ihre Vollmondrituale genauso kraftvoll waren.

Unsere Ahnen haben auch nicht jedes Jahr am gleichen Tag mit der Saat begonnen, sondern sie haben auf die Natur geschaut, die ihnen gezeigt hat, wann es so weit war. Es ist eine Sache intellektuell zu wissen, wann der Neumond im Kalender steht und aus der Information heraus aktiv zu werden. Es ist etwas anderes körperlich zu wissen, wann der Neumond ist, da man den Lauf des Mondes beobachtet und somit aus der Verbindung heraus Impulsen folgt.

In dem Moment, wo wir uns wieder mit der natürlichen Zeit verbinden, werden wir auch wieder Teil von etwas. Wir verbinden uns mit den Rhythmen der Erde und damit auch mit unserem eigenen. Wenn wir dann Schlafschwierigkeiten haben, blicken wir als erstes aus dem Fenster anstatt auf die Uhr – scheint dort der Vollmond wissen wir Bescheid.

Es ist eine Sache vom Kopf her zu wissen,

wann der Neumond ist.

Es ist etwas anders körperlich zu spüren,

wann der Neumond ist.

Ebenso kann uns die Orientierung am alten Jahreskreis helfen. Auch dort wurden die Feste, die heute kalendarisch auf Daten festgelegt wurden, ursprünglich am Lauf von Mond und Sonne orientiert. In der Verbindung mit dem Jahreskreis bekommen wir auch wieder eine Verbindung zu der natürlichen Zeit – während in der mechanischen Zeit im gregorianischen Kalender der Dezember die Zeit des Jahresendspurt bildet und zur Aktivität mahnt, ist die Zeit um die Wintersonnenwende in der natürlichen Zeit die es Rückzugs und des Innehaltens. Als Frau kann ich mich auch an dem Zyklus meines Körpers orientieren: in den Zeiten des Eisprungs beispielsweise haben viele mehr Energie und können mit Unterstützung der Pheromone erfolgreicher verhandeln. In meiner Arbeit beobachte ich immer wieder, wie Frauen durch die Verbindung mit den natürlichen Rhythmen wieder mehr zu sich finden. Schlafschwierigkeiten verschwinden, nervöse Unruhe legt sich, das Gefühl des gehetzt seins löst sich auf.

Lebensqualität durch Natürlichkeit

Als ich begonnen haben mein Leben wieder mehr im Einklang mit der natürlichen Zeit zu planen, habe ich ebenfalls den Unterschied gemerkt. Ich hatte wieder mehr Energie und vor allem das Gefühl mehr Zeit zu haben. Um uns mit den ursprünglichen Rhythmen unserer Ahnen zu verbinden, müssen wir die Uhr nicht aufgeben – doch wir dürfen beginnen, sie anders zu nutzen. Nicht als Taktgeber, sondern als Orientierungshilfe.

Denn es ist hilfreich zu wissen, wann wir uns treffen – und vor allem, wenn wir wissen, dass 10:00 Uhr für uns beide das Gleiche bedeutet. Unseren Takt dürfen wir uns wieder von der natürlichen Zeit gestalten lassen – und ja, da gehören Jahreszeiten, Mondzyklen, Blütezeit der Bäume und Menstruation dazu.

Zur Ahnenzeit gehören

Jahreszeiten, Mondzyklen, Blütezeiten und Menstruation.

Drei Dinge, die uns helfen können, uns im Alltag mit der „Ahnenzeit“ zu verbinden sind:

  1. Den Lauf von Sonne und Mond beobachten – und zwar nicht nur auf dem Papier, sondern am Himmel. Denn der Mond steht nicht jeden Abend an der gleichen Stelle…
  2. Ein Stück Natur finden, welches wir jeden Tag besuchen und den Lauf der Jahreszeiten beobachten. Es kann tief verbinden mit der natürlichen zeit sein, wenn man jeden Tag den gleichen Spaziergang macht.
  3. Spätestens mit Beginn des Sonnenuntergangs alle Lichtquellen auf „warm“ schalten – damals gab es auch nur Feuer – und damit unserem Körper erlauben wieder mehr in die natürliche Zeitqualität einzutauchen. Dabei ist es vollkommen okay im Winter mehr zu schlafen.

Durch die Verbindung mit der natürlichen Zeit verlagert sich auch der Fokus – wir werden wieder zur bewussteren Beobachterin, wir haben Teil an der Erfahrung der Zeit, wir erleben sie wieder, denn sie existiert durch uns. Die Corona-Pandemie hat damals zwar die Uhren nicht angehalten, doch sie hat unser Verhältnis zur täglichen Taktung in Frage gestellt. Die Duschspitze ist nur ein kleiner Hinweis darauf.

Die „Erfindung der Zeit“ wurde initiiert durch die Kirche, die Gleichschaltung ist ein Resultat des Kolonialismus – beide wollten Kontrolle. Wen wir eine Zeitenwende wollen, dann müssen wir auch die Zeit wenden. Und der mechanischen Zeit die Macht zu nehmen und unsere Abläufe wieder mehr in die Hand der natürlichen Zeit zu legen wäre ein erster Schritt dahin.

Die „Erfindung der Zeit“ wurde initiiert durch die Kirche,

die Gleichschaltung ist ein Resultat des Kolonialismus –

beide wollten Kontrolle.

Wir können uns nun entscheiden, ob wir uns wieder komplett der Kontrolle der mechanisch getakteten Uhr unterwerfen – denn die Uhr ist nicht die Zeit. Oder ob wir uns erlauben dies als Chance zu sehen und mehr in Einklang mit der natürlichen Zeit und damit auch mit uns selbst zu bringen.

Beltane & Walpurgisnacht – was dahinter steckt

Beltane & Walpurgisnacht – was dahinter steckt

Ostern liegt hinter uns und in der Nacht zum 1. Mai öffnen sich die Vorhänge zwischen den Welten auf dem Blocksberg.  Ursprünglich ein Mondfest, welches sich an Ostern anschließt, wird Beltane mittlerweile als Walpurgisnacht in der Nacht vom 30.04. auf den 01.05. gefeiert. Um die ganze Geschichte zu sehen, lohnt es sich, dass wir noch einmal einen kurzen Blick zurück werfen.

Der Ursprung des Osterfestes, welches sich auf den Tod und die Auferstehung von Jesus fokussiert, war die Feier des Femininen, ihrer Fruchtbarkeit und wie diese kraftvoll wieder sichtbar wurde, nach ihrer Zeit im Dunkeln, in der anderen Welt, unter der Erde, im der Gebärmutter der Erde….nun ist sie wieder da, voller Energie, vibrierend und kraftvoll!

Von Mädchen zur machtvollen Frau

Auf diesem Bild siehst du mich zum Vollmond am Osterwochenende nach einer wirklich wunderschönen Apache Womanhood Ceremony für eine junge Frau, besprenkelt und gesegnet mit dem weißen Lehm und im Hintergrund die Crown Dancer, welches die Asche des Feuers der Nacht zuvor umrunden… ja, es gibt einen Zusammenhang zwischen dieser Zeremonie und dem deutschen Osterfeuer. In der Womanhood Zeremonie wird das Mädchen zur Frau geformt… das Feuer als Moment der Transformation… ihr heiliger Fluss wird gefeiert. Es ist eine Zeremonie welche überall in Nordamerika existiert. 

Dieses junge Mädchen wird zur Frau und nun, im lunaren Kalender einen Mond später, ist sie die junge Frau, die sich ihren Gefährten auswählt. Im lunaren Kalender wurde Beltane am 5. Vollmond nach der Wintersonnenwende gefeiert. Damit es ist eines der Jahreskreisfeste, welches kein festes Datum hat. Es ist der Moment, in dem die jungen Paare über den Besen springen um ihre „Verlobung“ zu feiern. Gemeinsam verbringen sie ein Jahr minus einen Tag und wenn sie dann immer noch gemeinsam gehen wollen findet anschließend die Hochzeit statt – ein Grund warum im Mai traditionell so viele Hochzeiten gefeiert wurden.

Fruchtbarkeit, Vereinigung und Zeugung

Beltane ist somit ein Fest des Lebens, der Fruchtbarkeit, der Vereinigung, der Zeugung und des Sieges der Sonne und des Sommers über den Winter. Für dich ist es der perfekte Moment, um eigene Idee oder Projekte in die Welt zu bringen, Neues entstehen zu lassen oder Dinge endlich anzupacken. 

Gleichzeitig ist dies auch die Zeit, in der die weisen Frauen an Kraftplätzen oder heiligen Hainen zusammenkamen und Zeremonien und Rituale gestalteten. Die Kirche machte daraus die Walpurgisnacht, eine Nacht in der die teuflischen Hexen satanistische Rituale beginnen, während sie nackt auf ihren Besen durch die Lüfte flogen. Ein ganz berühmter dieser Orte ist der Blocksberg, der Brocken im Harz. (Und ja, daher hat Bibi Blocksberg ihren Namen)

Dabei ritten die sogenannten Hexen nicht wirklich auf den Besen durch die Lüfte. Der Ursprung des Mythos vom „Ritt auf dem Besen“ sind Zusammenkünfte, wie die auf dem Blocksberg. An denen haben sich Priesterinnen und Druiden getroffen und sich durch eine sogenannte Flugsalbe mit Halluzinogenen mit der Göttin verbunden und in andere Sphären geschaut. Sie sind quasi durch die Dimensionen gereist. Allerdings wurde ab den Hexenprozessen des 16. und 17. Jahrhunderts das Motiv der Teufelsverehrung zu den Ritualen hinzugedichtet. Mit der unerbittlichen Christianisierung wurden diese alten Bräuche als heidnisch verdammt; die ursprüngliche, auf matriarchalische Gesellschaftsstrukturen zurückgehende Bedeutung, ging verloren.

Walburga als Platzhalterin

Der Name der Walpurgisnacht hat übrigens mit einer Äbtissin aus England zu tun, welche im 8 Jahrhundert unserer Zeitrechnung gelebt hat. Sie wurde heiliggesprochen und ihr Gedenktag wurde auf den 1. Mai gelegt – was ein Zufall! Auf einmal gebt es, wie mit Lichtmess zu Imbolc und Weihnachten zur Wintersonnenwende, ein alternatives Ereignis, welches dafür sorgen sollte, dass die alten Bräuche in vergessen gerieten.

Es gibt allerdings einige Stimmen, die sagen, dass die eigentliche Waluburg in Wirklichkeit eine germanische Seherin war. Es gibt Aufzeichnung, die bestätigt, dass es im 2. Jahrhundert eine germanische Seherin aus dem Stamm der Semnonen in Ägypten gab, die diesen Namen trug. Sie war bekannt für ihre außerordentlichen Fähigkeiten. Demnach musste die gute Walburga aus England als „Stand-In“ herhalten, um den Mythos zu brechen.

Woher auch der Name wirklich kommen mag – es ist die Zeit, in der sich die Türen zur Anderswelt öffnen. Die Schleier zwischen den Welten werden dünn und wir können Dinge wahrnehmen oder empfangen, die uns sonst vielleicht verborgen geblieben wären. Daher ist dies auch eine gute Nacht für Empfängnis jeder Art —  auf physischer, geistiger oder emotionaler Ebene. Es lohnt sich also die Eingebungen des Feuers oder deine Träume aufzuschreiben.

Setze eine Intention: Was willst du in die Welt bringen? Was darf sich für dich im Sommer zeigen? Werde dir klar über die eine Sache, der du Priorität beimessen willst. Willst du ein neues Projekt angehen? Möchtest du deine Berufung leben? Hast du Lust etwas ganz Neues in dein Leben zu holen? Wähle den Samen, aus dem etwas sprießen soll. Schreibe dir auf, was es ist und wie es sich zeigen darf.

Entfache das Feuer: Das Feuer steht für die Hitze und die Sonne. Du kannst ein echtes Feuer entzünden oder ein inneres. Dein inneres Feuer kannst du entfachen, indem du die Schwestern Kreativität und Sexualität frei lässt. Plane für das Wochenende Dinge ein, die dir Lust bereiten oder bereite dir selber Lust – mit einem Partner oder alleine. Bist du alleine, arrangiere alles so, als ob du dich selbst verführen würdest. Mit dem entfachen des Feuers setzt du die Energie frei, um Dinge in die Welt zu bringen.

Empfange: Nimm dir Zeit zu empfangen. Nutze den Moment in dem die Hitze des Feuers langsam nachlässt und lausche der Stimme in dir. Meditiere, beobachte ein Feuer oder lausche deinem Herzschlag. Nimm dir Zeit und stell die Frage: Wie kann ich das Wachstum unterstützen? Wie kann ich meinen Wunsch ins Leben bringen? Und dann lausche. Egal welcher Gedanke kommt, schreib ihn auf und wisch ihn nicht weg. Vertraue deiner inneren Weisheit und Göttlichkeit.

Und wenn du tiefer einsteigen willst, dann kannst du dich mit deinen Ahninnen verbinden und ihre Weisheit mit in diese Zeit holen. Dafür gibt es diese Experience, in der wir auch gemeinsam die Hexenwunde heilen.


Wozu du dich auch immer entscheidest – erinnere dich an die Macht, die ursprünglich durch uns Frauen floß. Sie ist immer noch da. Zeit sie wiederzubeleben!

In Sisterhood,