Frühjahrsputz für die Seele und „Hell Yes!“ für dein Leben

Frühjahrsputz für die Seele und „Hell Yes!“ für dein Leben

Es ist März, Zeit für den Frühjahrsputz! Aber während dieser bei vielen so aussieht, dass sie ihre Wohnung schrubben, habe ich gemerkt, dass es für mich viel wirksamer und nachhaltiger ist, wenn ich gleichzeitig auch innerlich ausmiste und saubermache.

Dabei gucke ich, was gehen darf, was einen neuen Anstrich braucht und was sich weiterhin gut anfühlt. Die wichtigsten Utensilien für einen inneren Frühjahrsputz sind: Zeit, Ehrlichkeit, ein offenes Herz und die Bereitschaft loszulassen. Und damit werden die folgenden fünf Schritte ganz einfach.

Raum schaffen

Zunächst schaffe ich mir Raum für mich. Manchmal nutze ich auch den Frühjahrsputz meiner Wohnung dazu, den Anstoß zu schaffen und in die richtige Stimmung zu kommen. Denn: wie Außen so auch innen. Ich stelle sicher, dass ich einen Nachmittag oder Abend für mich habe, denn ich will mich nicht stressen, sondern ausreichend Zeit haben, um innerlich sauberzumachen.

Aussortieren

Wie beim Kleiderschrank ausmisten mache ich mir drei Rubriken: „Hell Yes!“ darf bleiben, „So la la“ ist unsicher, „Hell No!“ muss gehen. In diese Rubriken unterteile ich dann meine Beziehungen, Verhaltensweisen, Glaubenssätze und Gegebenheiten. Hierbei geht es nicht um absolute Komplettheit, sondern darum all das, was dir in den Kopf kommt oder durch Herz zu notieren. Du kannst dazu auch Post-Ist in Gruppen an die Wand kleben oder Schnipsel in Schüsseln verteilen.

Gehen lassen

Als Erstes schaue ich meine Beziehungen in „Hell NO!“ an.  Und warum ich diese noch nicht habe gehen lassen. Und dann lasse ich sie mit der FREE-Formel gehen.

ICH VERGEBE DIR (für das was der Andere getan hat oder nicht getan hat)

ES TUT MIR LEID (dass ich andere Erwartungen hatte, etwas von dir wollte, was du nicht geben konntest, du nicht derjenige bist für den ich dich gehalten habe)

DANKE (dafür, dass ich diese Erkenntnis haben durfte, etwas gelernt habe, du mir gezeigt hast: so nie wieder)

ICH LIEBE DICH / ICH SCHICKE DIR LIEBE (mit Liebe fällt alles leichter und kann sich wirklich lösen. Groll hält fest)

Wenn du willst, kannst du am Ende jeden Schnipsel symbolisch verbrennen oder jedes Post-it einzeln feierlich entsorgen.

Neu streichen

Nun wende ich mich den unsicheren Kandidaten zu. Oftmals gibt es – auf den ersten Blick – gute Gründe, warum diese Glaubenssätze, Beziehungen oder Verhaltensweisen in meinem Leben bleiben sollten. Aber sie lösen kein „Hell Yes!“ bei mir aus und deswegen gibt es den besonderen Blick. Zu jedem Punkt stelle ich mir die folgenden Fragen:

  • Wie fühle ich mich dabei, wenn ich XY denke, tue oder treffe?
  • Wozu ist es gut an XY festzuhalten? Wie möchte ich mich eigentlich mit XY fühlen?
  • Wie kann ich mein Wunschgefühl in XY bringen? Wie kann ich es auf anderem Wege in mein Leben bringen?

Wenn ich merke, dass ich mich nicht so fühle, wie ich es mir wünsche oder feststelle, dass ich es nicht schaffe aus dem jeweiligen Punkt ein „Hell Yes!“ zu machen, dann verabschiede ich mich mit der FREE-Formel. Und wenn ich eine Möglichkeit für ein „Hell Yes!“ sehe, dann bekommt es feierlich seinen Platz im „Hell Yes“-Stapel.

Dekorieren

Der letzte ist der schönste Schritt. Ich schicke Dankbarkeit in jedes einzelne Zettelchen auf dem „Hell Yes!“ Stapel. Und versuche direkt zu jedem eine Aktion zu finden, um mehr davon in mein Leben zu holen. Ich verschicke Anfragen zum Tee trinken, blockiere mir Zeit für meine Morgenroutine im Kalender, plane den nächsten Kurztrip ans Meer oder kaufe mir Blumen.
Und ich genieße das Gefühl von Fülle, welches so wunderbare zum Frühling passt – in meinem Leben. Und dass ich so viele wunderbare Dinge habe, die ich weiter erblühen lassen kann.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Ausmisten und bin gespannt, wie dein „Hell Yes!“- Blumenstrauß aussieht!

©2016

Wenn das Leben zuviel wird…

Wenn das Leben zuviel wird…

In den letzten Wochen haben mich immer wieder Nachrichten erreicht, die fragten, wie es mir geht und ob alles okay ist. Es wird alles okay werden, daran glaube ich. Aktuell ist es das noch nicht. Ich habe es nicht groß angesprochen, weil ich selber Zeit brauchte, um die Ereignisse der letzten zehn Monate zu verarbeiten… und der Prozess dauert noch an. In der aktuellen Situation können auch Ereignisse, die wir im Normalfall gut bewältigten, uns aus der Bahn werfen. Und wenn dies wiederholt passiert kann es dazu führen, dass wir eben nicht mehr so schnell in die Bahn zurückfinden. Denn das, was mich ins Schlittern gebracht hat, war kein einzelner Moment.

Es begann am 4. März letzten Jahres, mein Vater kommt plötzlich ins Krankenhaus, ich sage ab alle meine Pläne ab und fahre zu ihm. Er kommt auf die Intensivstation, die Pandemie schlägt zu, Besuchsverbot. // April: Mein Vater ist weiter auf der Intensivstation, ich in Bielefeld, hoffe ihn zu sehen. Ich kann zweimal kurz mit ihm telefonieren. // Mai: Er kommt in eine Reha, nach Wochen der Isolation ausnahmsweise ein Besuch. Wir weinten beide bitterlich als wir uns sehen. Etwas in mir wird tief erschüttert. // Juni: Entlassung, doch die Pflegestelle fordert vier Wochen aktive Unterstützung meinerseits, um ihn in die häusliche Pflege aufzunehmen. Ich ziehe in das Zimmer neben meinem Vater und pflege. // Juli: es scheint gut zu werden. Ich launche Roots & Rituals. // August: Mein Vater kommt erneut ins Krankenhaus, Entlassung nach einer Woche. Mein zentrales Nervensystem ist in Alarm und fährt nicht mehr runter. // September: Meinem Vater geht es gut, ich bin erschöpft. Bevor ich durchatmen kann: Unfall, Notarzt, Papa auf der Intensivstation. Etwas in mir bricht zusammen. // Oktober: Launch meines Jahresprogramms. Mein Vater stirbt. Überlebensmodus. // November: keine Trauerfeier wegen Lockdown. Hilflosigkeit & Ohnmacht machen sich breit. Der körperliche Schmerz der Trauer überwältigt mich. Um nicht alleine zu sein, lebe ich mit meiner Mutter – Kindheitstrigger on top. // Dezember: Versuche der Trauer Raum zu geben, es kommt anders….

Wenn die Atempausen fehlen, meldet sich der Körper

Mein Zahlungssystem funktioniert nicht, bezahle Experten, die den Fehler nicht finden. Versuche es selber noch mal. Ohnmacht macht es sich bequem. Finde heraus, dass von extern entwickelter Inhalt für meine E-Mails & Webseite, nicht kreiert, sondern kopiert war. Scham & Selbstvorwurf gesellen sich in die Runde. Ich zweifele an meiner Menschenkenntnis & habe Angst um meine Reputation, fühle mich, als ob mir mein Leben komplett entglitten ist. Der Schlafrhythmus bricht ein. Das Herzrasen kommt. Der Atem wird enger. // Januar: Der Nachlass meines Vaters wird abgeholt. Anxiety kommt körperlich spürbar vorbei. Das Zahlungssystem funktioniert wieder nicht. Experten beauftragt, wieder nichts. Am Ende finde ich nach Tagen den Fehler selber – alle Kraft geht dorthin. Lockdown-Verlängerung: Tränen, Verzweiflung über diejenigen, die sich nicht an die Regeln halten. Schlafstörungen & Erschöpfung nach elf Monaten permanenter Trigger und Herausforderungen.

Wir haben alle unsere Grenzen


Ich hatte das Privileg, von regelmäßigem Coaching im letzten Jahr, habe aktuell eine Trauer-Coach, eine Spiritual-Coach, spreche regelmäßig mit meinen „Expertinnen“-Freundinnen, kenne all die Tools, bin achtsam in meinem Medienkonsum, habe über Trauer-Demenz gelernt. Und trotzdem schreibe ich heute diesen Post. Das letzte Jahr hat mich über meine Grenzen hinaus gefordert. Und das Leben ist eben kein Wettbewerb darüber, wer am meisten aushalten kann oder wer am besten die Zähne zusammenbeißen kann.

Wir haben alle unsere individuellen Grenzen und Trigger. Ich teile dies heute nicht, weil ich sagen will: Guck mal wie schlecht es mir geht. Das wäre vermessen. Ich teile es, weil ich hoffe, dass es uns allen noch mal mehr die Erlaubnis gibt menschlich zu sein. Denn Menschlichkeit bedeutet eben nicht perfekt wie eine Maschine zu funktionieren. Menschlichkeit bedeutet Emotionen und Gefühle. Menschlichkeit bedeutet in einer Pandemie überfordert sein zu dürfen, Existenzängste zu haben und vermeintlichen Kontrollverlust – als bedrohlich zu empfinden. Und Menschlichkeit bedeutet auch mal das gleiche Buch noch mal zu lesen, weil es uns Sicherheit gibt zu wissen, was passiert – etwas was ich vorher noch nie gemacht habe

Halt finden in Strukturen

Aktuell folge ich einem relativ konsequenten Tagesablauf, finde Struktur und Halt in meiner Arbeit und meinem Wirken und bin jeden Tag mindestens eine Stunde in der Natur. Ich akzeptiere meine für mich kurzen Aufmerksamkeitsspannen am Rechner, sorge für Reizarmut und bin trotz allem zuversichtlich. Ich trauere und kann trotzdem lächeln. Ich bin erschöpft und genieße gleichzeitig die Bewegung an der frischen Luft. Ich habe Schlafstörungen und kann trotzdem voll präsent sein, wenn es relevant ist. Es ist eben nicht immer ein Entweder-oder. Es ist ein alles gleichzeitig. Und auch das ist menschlich. Aktuell versuche ich mich immer wieder an das Gelassenheits-Gebet zu erinnern:

Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.


Manchmal klappt es.
Wie geht es dir? Welche Dinge helfen dir gut durch herausfordernde Zeiten zu kommen?

Den Februar werde ich mich aufs Schreiben und Sein fokussieren. Es wird also wohl etwas ruhiger hier sein. Es ist die Zeit der Reinigung. In dieser Pandemie dürfen wir alle anerkennen, dass wir uns in einer Ausnahmesituation befinden, dass unser zentrales Nervensystem permanent gefordert ist und dass Gefühle wie Trauer und Erschöpfung auch kollektiv sein können. Seien wir alle umsichtig miteinander und haben Mitgefühl. Ich freue mich jetzt schon auf viele Umarmungen.

Spirituelle Entwicklung: kann ich das?

Wenn du diesen Beitrag liest, dann gehe ich davon aus, dass du dich auf irgendeine Art und Weise mit Spiritualität und spiritueller Entwicklung beschäftigst, denn wahrscheinlich wärst du sonst nicht auf meiner Webseite gelandet. Eine Sache, die ich immer wieder beobachte und auch von mir selber von früher her kenne, ist das Folgende. Wenn Menschen sich auf „den Weg“ machen, dann stellt sich ziemlich bald die Frage: „Bin ich jetzt schon spiritueller als zuvor?“ Doch was bedeutet es eigentlich spirituell zu sein? Und woran kann ich erkennen, dass ich spirituell bin?

Für mich ist der Weg der Spiritualität ganz einfach gesagt, der Weg aus dem Ego. Es geht aus dem Verstand rein ins Herz und den Körper. Spiritualität bedeutet für mich, mich daran zu erinnern, dass ich Teil von etwas größerem bin – wie auch immer wir das nennen wollen, Natur, Universum, Gott. Dabei geht es nicht darum, das Ego – wobei ich lieber von dem Verstand als solchem spreche – zu bekämpfen, sondern es geht darum zu erkennen, an welche Stelle er eigentlich gehört. In dem Moment, wo ich mich auf den spirituellen Weg machen, begebe ich mich gewissermaßen auf die Suche nach etwas, was größer ist als ich selber. Und das ist der Moment, indem der Verstand akut bedroht ist, denn im Normalfall ist er das „Größte“ in unserer Gesellschaft und sitzt praktisch auf dem Chefsessel.

In dem Moment, wo wir beginnen uns etwas anderem als Logik und Verstand zu widmen muss dieser rebellieren und laut werden, um seine Position zu wahren. Das ist der Mindfuck, der oft auftritt, wenn wir beginnen Dinge wie Intuition und Synchronizität zu hinterfragen. Und es kommen Gedanken wie „Wer denkst du denn jetzt was du jetzt hier machst?“, die unsere Entscheidung und den Weg hinterfragen. Sobald wir darauf hören, lassen wir uns vom Verstand aus dem katapultieren, wonach unser Herz, unsere Seele und unser Körper sich eigentlich sehnen, wo sie sich im Einklang fühlen. Das gibt allerdings Dissonanz mit dem Verstand.

Der Verstand ist ein grauenhafter Meister. Er ist ein wunderbarer Diener. Herz und Seele sind die wahren Meisterinnen – denn selbst in ihrer Meisterschaft dienen sie etwas Größerem. Visionen sind Erinnerungen der Seele an die Zukunft – dies ist ein Satz, den ich liebe. Denn er zeigt das Dilemma des Verstands: Dieser kann nur logische Schlussfolgerungen ziehen, anstatt visionär in die Zukunft zu schauen. Unsere Seele kann uns mit etwas größerem Verbinden als dem, was wir schon erlebt haben. Unserem Verstand macht dies Angst, denn es fühlt sich unkontrollierbar an und es bedroht seine exponentielle Stellung.

Sobald wir uns also auf den Pfad begeben, wird er laut. Er wird Gedanken schicken und er wird sich beschweren und anzweifeln. Wir haben da zwei Optionen: zuhören und folgen oder hinhören und trotzdem den eingeschlagenen Weg weitergehen.  Nur weil das Kind sich trotzig im Supermarkt auf den Boden schmeißt, bedeutet das nicht, dass es die Schokolade automatisch bekommt. Wir entscheiden, wie wir auf die Situation reagieren. Das Gleiche gilt für unseren Verstand.

Kurzum: nur weil dein Verstand versucht dir einzureden, dass du nicht für den spirituellen Weg geeignet bist oder dass die doch alle einen Knall haben, heißt das nicht, dass er recht hat. Vertraue dir. Lausche dem Flüstern deiner Seele. Gib ihr mehr und mehr Raum. Ich habe noch nie jemanden erlebt, der nicht die Fähigkeit hatte spirituell zu sein. Denn es ist keine Fähigkeit, es ist eine Entscheidung für eine bestimmte Art und Weise.

In meinem Fall ist es die erdverbundene Spiritualität, die sich mit der Natur verbindet, ihre Rhythmen und Zyklen als Orientierung nimmt und erkennt, das jede einzelne von uns nur ein kleines Teil von etwas größerem ist. Es ist die Sicht, dass wir nur im Miteinander überleben und erfüllt sein können und das Dominieren, Patriarchat und Kapitalismus keine nachhaltigen Weltanschauungen sind.

Wie auch immer deine Spiritualität und der Weg dahin aussehen mag: vertraue dir. Gehe Schritt für Schritt und setze dich nicht unter Druck.

Imbolc, das Fest des Lichts

Imbolc, das Fest des Lichts

Imbolc, das erste Mondfest im Jahreskreis. Zum zweiten Vollmond nach der Wintersonnenwende wird die Rückkehr des Lichts gefeiert. Es ist der Moment in dem die Tage wieder sichtbar länger werden. Die Kirche hat aus Imbolc Lichtmess gemacht. Doch der Kern bleibt der gleiche: Wir entzünden das Licht.

Imbolc ist eines der 4 Mondfeste im Jahreskreis – es läutet den Frühling ein. Der Name Imbolc hat seinen Ursprung in dem Wort „imbolg“, was so viel wie „im Bauch“ bedeutet – ein Hinweis auf die schwangeren Schafe. Es ist der Moment der spürbaren Rückkehr des Lichts und der Lebensenergie mit all ihrer Kraft. Es ist der Beginn des neuen Jahres, der sichtbare Neuanfang.

Die Feierlichkeiten waren ursprünglich der weißen Göttin gewidmet, bei den Kelten nahm sie die Gestalt von Brigid an. Brigid, ist eine Feuergöttin. Ihr Name bedeutete „die Erhabenen“ und ihre Mythologie ließ sie die dreifachen Feuer von Schmiedekunst (physisches Feuer), Heilung (das Feuer des Lebens innen) und Dichtung (das Feuer des Geistes) entfachen. Traditionell riefen die Menschen Brigid an und baten sie um Licht und Fruchtbarkeit.
 

 „Mächtige Brighid, Hüterin der Flamme,
die in der Dunkelheit des Winters brennt.
Oh Göttin, wir ehren dich,
Bringerin des Lichts, Heilerin, Erhabene.
Segne uns nun, Herzmutter,
damit wir so fruchtbar werden wie der Boden selbst,
und unser Leben in Fülle und fruchtbar….“

 
Die Menschen reinigten in der Zeit vor Imbolc ihr Haus und ihre Feuerstelle und entzündeten dann die neue Flamme für den neuen Zyklus. Denn das, was vorher verbrannt oder ins Feuer gegeben wurde, soll nicht in das Neue fließen. Wir wollen einen klaren Grund schaffen, einen sauberen Boden. So wie wir frische Erde nutzen, um die neuen Samen einzupflanzen. Der Frühjahrsputz fand damals vor dem Frühjahr statt. Es war die Zeit bevor das Frühjahr sichtbar wurde, dass wir uns gereinigt haben, denn das Neue wuchs schon, ob im Bauch der Schafe oder unter der Erde.

Alte Weisheit, neue Zeremonien

Wir können diese alten Bräuche als Inspiration nehmen und sie in die neue Zeit übertragen und somit unsere eigene Imbolc-Zeremonie gestalten.


Reinigung
Reinigung kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden. Auf der physischen Ebene loszulassen, hilft oft auch den inneren Prozess in Gang zu bringen. Aufräumen und ausmisten kann sehr heilsam sein. Ob Bücher, Bekleidung oder Dinge, die du im Alltag nicht mehr nutzt – verschenke oder entsorge. Ebenso kannst du deinen Körper als Raum in Ordnung bringen –Solebäder zum Loslassen, Vitamine und Smoothies zur Stärkung. Bereite ihn liebevoll auf das Frühjahr vor.

Fokus
Bevor wir das Feuer entzünden, hilft es eine Intention zu haben und sich zu fokussieren. Der Platz, den du im Außen und im inneren deines Körpers geschaffen hast, hilft es dir deine Beweglichkeit zu erhöhen und du kannst ihn für einen Perspektivenwechsel nutzen. Das bedeutet das Ausmisten deines Minds – all der unnützen Glaubenssätze, wo deine Erde sozusagen eine Scheibe ist. Welche Sorgen, „Aber“, „Unmöglich“ trägst du mit dir rum? Schreib sie auf, mach sie sichtbar, hinterfrage und lasse sie gehen. Ich mache das immer gerne mit Freundinnen, die mir helfen, meinen Mindfuck aufzuspüren.

Eid ablegen
Traditionell war dies die Zeit in der die Mägde und Knechte ihren Eid für das neue Jahr ablegten. Sie verpflichteten sich und schlossen einen neuen Vertrag. Welchen Vertrag schließt du mit dir? Wo willst du dich dir gegenüber committen? Gegenüber was oder wem möchtest du verbindlich sein? Zum Abschluss kannst du eine weiße Kerze entzünden und deinen Eid dreimal laut in die Welt sprechen.

Nimm dir die Tage vor Imbolc (Vollmond am 01.02.2026 / 22.01.2027 ) Zeit für die Reinigung und dann kannst du am Wochenende im neuen Raum die Fragen für dich beantworten. Für die musikalische Inspiration findest du hier eine Playlist, die dich in dem kommenden Tagen begleiten kann, wenn du deine Zeremonie machst oder einfach in die Energie eintauchst.

Und auch hier: Imbolc ist nicht nur ein Tag, es ist eine Qualität – bis zum folgenden Neumond. Den die Chinesen als Neujahrsfest feiern. Kosmische Rhythmen funktionieren immer noch. Dieser Neumond fällt 2026 auf den 17. Februar. ( 06.02. 2027 und 26.01. 2028).

Wie auch immer du Imbolc verbringst – ich wünsche dir eine magische Zeit beim Entzünden des Lichts.

Ruhepausen, Flow und das Innere Patriarchat

Ruhepausen, Flow und das Innere Patriarchat

So oft hören wir, dass es an der Zeit ist, das Patriarchat zu stürzen. Wir schauen auf gesellschaftliche Strukturen und Organisationen. Was wir jedoch oftmals komplett vergessen, ist unser eigenes Patriarchat. Ich nenne es das Innere Patriarchat.

Gerade in der aktuellen Situation wird es oft getriggert – de Jahresanfang ist der Moment in dem uns nochmal deutlich unter die Nase gerieben wird, dass wir jetzt wirklich produktiver, optimaler und effizienter werden müssen. Denn es reicht nicht einfach so zu sein, wie du bist – du musst etwas tun, um etwas wert zu sein. Und so aktivieren die äußeren Antreiber unseren inneren Antreiber. Dabei ist eines jedoch wichtig: uns daran zu erinnern, dass all diese Idee, die uns schon als Kinder eingeimpft werden, nicht die Wahrheit sind. Die Idee von ewiger Produktivität, die Mär vom ewigen Tun, von der Definition des eigenes Wertes über den Wert den ich geschaffen habe. All diese Ideen sind nicht die Wahrheit, sondern Geschichten, die wir so verinnerlicht haben, dass sie sich echt anfühlen – weil sie seit Generationen gepredigt und gefühlt werden.

Ich glaube jedoch nicht, dass wird auf der Welt sind, um 10 Stunden am Tag zu arbeiten. Ich glaube, dass es an der Zeit ist, ein altes Verhaltensmuster aufzubrechen und bestimmte Dinge zu verlernen. Denn das bedeutet, dass wir uns endlich wieder an andere erinnern können und damit heil werden. Wir gesunden ganzheitlich.

Es ist eine Sache den Instagram Beitrag zu teilen, in dem eine Torte zu sehen ist auf der „Smash the Patriarchy“ steht. Doch es ist etwas ganz anderes in uns selbst zu blicken und zu schauen, wo wir unser eigenes Inneres Patriarchat finden können. Anzuerkennen wenn wir in Prozessen von Heilung und Transformation sind, weil wir die Arbeit tun, von der ich im Video spreche. Es ist eine Sache zu sagen „my favorite season ins the fall of the patriarchy“. Doch es ist etwas anderes, sich dann wirklich nach getaner Arbeit Ruhe zu gönnen, uns selber und anderen den Raum zu geben. Und ja, ich bin mir sehr bewusst darüber, dass dies nicht für jeden möglich ist, dass es ein Privileg ist, dies einfach tun zu können. Doch gerade, wenn wir dieses Privileg haben ist es an uns, die Missstände bewusst zu machen und das Patriachat in uns zu transformieren. Damit wir es nicht weiter in die Welt tragen. Denn nur weil wir auf einer Ebene von etwas profitieren heißt das nicht, dass es richtig ist.

Spiritueller Aktivismus

Es ist für uns alle essentiell, dass wir aus dem ewigen Tun uns uns selber immer weiter pushen hinauskommen, dass wir alle wieder mehr ins Atmen kommen und uns mit unserer Essenz verbinden. Denn für das Ende des Patriarchats braucht es neue Strukturen. Die aktuelle gesellschaftlichen Strukturen sind nicht die höchste Version des menschlichen Zusammenseins – auch wenn diejenigen, die davon profitieren es gerne so darstellen. Das Patriarchat – äußerlich und innerlich – ist nicht die ursprüngliche Form alles Seins.

Ich lade dich ein, diesen Impuls als Einladung zu nehmen, dir Räume zu schaffen – Räume, in denen du bist und nicht tust. Und wenn dieser Raum auch nur 5 Minuten atmen oder 10 Minuten spazieren groß ist – du hast meinen größten Respekt, dass du ihn dir schaffst. Denn wir schaffen diese Räume eben nicht nur für uns. Sondern auch für all diejenigen, die mit uns sind. Es ist quasi spiritueller Aktivismus. Einer, von dem auch diejenigen, die nach uns kommen profitieren können. Denn: je öfter wir uns den Raum jetzt nehmen, desto normaler wird es später sein.  

Der Hohe Frauen Tag

Der Hohe Frauen Tag

Jahrelang habe ich mich aufs Neue gewundert, warum es drei Männer sind, die als erstes zu Marias Wochenbett eilen. Denn in meiner Welt machte es soviel mehr Sinn, dass es Frauen sein müssten. Kundige Frauen, die sie nach der Geburt begleiten. Bis ich erfuhr, dass es vor den Drei Heiligen Königen die Hohen Frauen gab. Und mit ihnen den Hohe Frauen Tag. Und auf einmal machte alles Sinn.

Direkt vorweg: die drei Könige waren keine Könige, sondern weise Männer – genauer medizinisch beflissene Männer. Denn sie brachten Myrre, Weihrauch und Gold – alles Mittel, welche zur Unterstützung der Verdauung eingesetzt wurden. Noch heute kauen Menschen auf Weihrauch bei Verdauungsstörungen oder trinken ihn morgens mit ihrem Glas Kamelmilch. An dem Goldbarren wurde nicht geknabbert, sondern kolloidales Gold wurde in Tropfen eingenommen. Denn wir erinnern uns: das Morgenland war erfüllt von Weisheit in Bezug auf medizinische Kenntnisse, von denen die Banausen in Rom nur träumen konnten.

Vor den Weisen waren die Weiber

Wer jedoch vor Kaspar, Melchior und Baltasar Maria an ihrem Bett besuchten waren Katharina, Magarete und Barbara oder wie sie eigentlich hießen: Ambeth, Wilbeth und Borbeth. Und das ist der Moment, wo der Hohe Frauen Tag ins Spiel kommt. Der Tag vor dem Dreikönigstag.

Bevor wir in die dahinterliegende Mystik eintauchen noch ein kurzer Hinweis: der 6. Januar als Ende der Raunächte basiert auf christlicher Mythologie. Denn: das Datum des 24.12. ist 237 als Geburtsdatum Jesus festgelegt worden – damals war es der Tag an dem die Wintersonnenwende stattfindet. Und die 12 Nächte basieren damit eben auch auf der christlich patriarchalen Idee – 12 Monate, 12 Apostel. So kam es, dass nach diesen 12 heiligen Nächten – welche kreiert wurden, um den alten Raunächten Konkurrenz zu machen – die 3 Weisen aus dem Morgenland mit Geschenken erschienen. Ursprünglich haben die Menschen nicht akribisch die einzelnen Nächte abgestrichen, sondern intuitiv gelauscht. Man wartete auf die Völva oder Weleda, die in die Zukunft blickte und saß am Feuer, welches zur Wintersonnenwende entzündet wurde, räucherte und gedachte den Ahnen und den Seelen, die im neuen Jahr kommen würden.

Nun aber zu den Hohen Frauen, den drei Bethen und der Geschichte der femininen Weisheit, die vor den drei Königen existierte.

Ich nehme den Hohe Frauen Tag als Einladung mich tief mit der femininen Weisheit zu verbinden und all das Feminine und Fließende an diesem Tag zu ehren. Als Frauen sind wir dazu eingeladen, diese feminine Energie wieder durch uns fließen zu lassen. Es ist an der Zeit die maskuline und feminine Energie wieder in Balance zu bringen – zuerst in uns und dann in der Welt.

Verbindung mit der femininen Weisheit

Und damit kannst du heute nichts falsch machen, sondern bist eingeladen deiner inneren Weisheit zu lauschen, wenn es darum geht diesen Tag zu gestalten. Denn die Zeit der Institutionen, die dir vorschreiben, wie deine Zeremonie auszusehen hat ist vorbei. Du bist dein Tempel. Und so zünde ich eine weiße, eine rote und eine schwarze Kerze an und ehre damit jeden Aspekt der Göttin in mir und allen Frauen. Ich zünde eine Kerze für meine Ahninnen an und all die Frauen, die vor mir kamen und für die alte Weisheit eingestanden haben und so oft auch ihr Leben ließen. Und ich gedenke der Frauen auf den Scheiterhaufen – die letzte Hexe wurde vor nicht mal 250 Jahren verurteilt – und denen, die trotz all des Widerstands und des katholisch christlichen Brainwash die uralte feminine Kraft weiter haben fließen lassen.

Ich verbinde mich mit all den Frauen, die heute genau das Gleiche tun. Gemeinsam weben wir dieses goldene Netz aus Gebeten – in der neuen Bedeutung -, Gedanken, Geschichten und Gesängen. Ich schicke die Energie an all die Frauen, die nach mir kommen – mögen sie das, was heute noch immer nicht alltäglich ist, mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit praktizieren. Ich bete dafür, dass die Hohen Frauen ihren Platz wieder einnehmen.