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In den letzten Jahren sind die Raunächte fast schon zum Evergreen-Must Do geworden. Es gibt so viele Bücher und Kurse zu den Raunächten, wie nie zuvor. Zum einen ist das ganz wunderbar, denn es verbindet und wieder mit einer uralten Tradition und hilft uns den alten Rhythmus zu erinnern. Zum anderen jedoch merke ich, wie mit der Zeit auch ein Druck entstanden ist, es besonders gut und richtig machen zu wollen. Das nehme ich hier zum Anlass meine ganz persönliche Raunachtspraxis mit dir zu teilen.

Von Rödeln zur Ruhe

Bevor ich zu meiner aktuellen Praxis komme, möchte ich dich mit auf die Reise nehmen, wie sie entstanden ist. Als ich das erste Mal mit den Raunächten als „Konzept“ in Berührung gekommen bin, fand ich es großartig. Von zu Hause kannte ich nur „die Zeit zwischen den Jahren“  – dort war zwar auch viel Ruhe und Einkehr, doch es fühlte sich nicht so sehr nach etwas konkretem an, wie die Raunächte. Als ich in die Thematik einstieg, lernte ich, dass jede Nacht einem bestimmten Impuls folgt, ein bestimmtes Thema hat und damit eine bestimmte Energie. Es galt jeden Abend eine Karte zu ziehen und diese dem dementsprechenden Monat zuzuordnen. Und selbstverständlich wurde auch geräuchert. Ich liebte es und tauchte jedes Jahr in diese Energie ein. So sehr, dass ich beschloss gemeinsam mit anderen Frauen in diesen Raum zu gehen und drei Jahre lang ein erfolgreiches Raunächte-Programm angeboten habe. (Welches, das muss man dazu sagen, beeindruckende Transformationen bewirkte und kraftvolle Manifestationen. Es war wirklich beeindruckend). Nach dem dritten Durchgang merkte ich, dass das Programm für die insgesamt über 400 Frauen ganz wunderbar gewesen war, ich jedoch mit jedem Jahr am Ende erschöpfter war. Beim letzten Mal schaffte ich es quasi nur noch mit letzter Kraft und musste dann fast eine Woche Auszeit nehmen.

Ich musste anerkennen, dass ich obwohl mir der Kurs mega viel Spaß machte und absolut erfolgreich – für mich und die Frauen – war – ich komplett gegen meinen eigenen Rhythmus gegangen bin. Denn als ich all diese Frauen durch ihre Raunächte und die damit verbundenen Prozesse begleitete, blieb nicht viel Raum für mich und meine Raunächte. Und mein Körper zeigte es mir.

Raum schaffen für Botschaften

So entschloss ich mich auf meinen Körper zu hören und eines meiner „Signatar-Programme“ wie man es im Online-Sprache gerne nennt zu schließen. Das darauffolgende Jahr öffnete ich mich ganz in Ruhe und intuitiv den Raunächten. Ich begann im uralten Rhythmus in der Nacht nach der Wintersonnenwende und ging für 13 Nächte, um Frau Holle und die feminine Energie des Winters zu ehren. Ich folgte keiner Vorgabe, sondern hatte einfach nur ein Notizbuch und einen Stift. Jeden Abend räucherte ich mit Wacholder oder Beifuß, ganz einfach, so wie es meine Ahnen gemacht hätten. Und dann setzte ich mich hin und ließ durch mich schreiben, was geschrieben werden wollte. Manchmal war es länger, manchmal kürzer. Ganz bewusst fuhr ich meine Termine zurück und versuchte auch während der Tage mehr und mehr zu Ruhe zu kommen. Ich machte Nickerchen, wenn es möglich war und tat mein Bestes mich aus Social Media und Streaming rauszunehmen (es hat nicht ganz geklappt). Und das erste Mal seit Jahren hatte ich das Gefühl, wirklich zu lauschen. Wirklich den Raum zu haben, um Frau Holle, meinen Ahnen, der Natur zu lauschen. Und die Botschaften waren ganz anders, als es die Jahre zuvor war.

Seitdem ist meine Raunachtspraxis relativ simpel. Und ich teile sie hier mit dir, damit du dich nicht verrückt machen musst, wenn du noch keine Orakelkarten oder das perfekte Raunachtsjournal hast. Die Raunächte sind die Zeit der Einkehr. Es geht ums Sein, nicht ums Tun. Die Menschen taten nur die nötigste Arbeit und ruhten sich vom Jahr aus. Sie schauten in der Glut des Wintersonnenwend-Feuers, was sie sahen, welche Bilder sich zeigten, wenn sie ihre Gedanken teilten und dann schweigend beieinandersaßen. Eine ruhige Zeit, in der die Welt innehielt. Damals fiel noch Schnee und Schnee fängt ja so wunderbar Schall. Es war die Zeit nach der Empfängnis des Lichts, der Moment, in dem die Erdgöttin nach der Zusammenkunft innehielt, bevor das Licht im Februar wiedergeboren wurde. Es war die Zeit von Frau Holle, die durch die Nächte flog – und in der wir nach Samhain noch einmal mit Frau Holles Hilfe besonders gut Kontakt zu den Ahnen aufnehmen konnten. Denn Frau Holle ist nicht nur diejenige, die den Schnee bringt, sondern auch diejenige, die die Seelen hütet.

Die Raunächte laden uns ein auf Empfang zu schalten, das permanente Sendebewusstsein auszuschalten. Sie laden uns ein zuzuhören, und zwar in die Stille und nicht dem permanenten Schall und White Noise… Sie fordern uns auch heraus – denn wenn all das Drumherum nicht mehr da ist, dann sind nur noch wir da – keine Ablenkung. Und das kann herausfordernd sein.

Deine persönliche Raunachts-Praxis:

Wenn du dich also fragst, wie du dir Nächte nach der Wintersonnenwende gestalten kannst, dann sind dies hier meine Tipps:

  1. Weniger ist mehr: finde eine Praxis als Zentrum, ob Schreiben, Orakelkarte oder Wunsch verbrennen. Alles andere ist optional, kein Muss
  2. Zuhören anstatt planen: dies ist die Zeit des Lauschens und nicht des Planens. Hier geht es um das Was, noch lange nicht um das Wie. Widerstehe also dem Drang alles genau wissen oder verstehen zu müssen oder direkt zu interpretieren.
  3. Ruhe finden: je weniger Beschallung von außen kommt, desto mehr können wir unsere innere Weisheit hören. Lieber ein Buch lesen als Netflix bingen, lieber mal den Vögeln beim Spaziergang lauschen, als immer einen Podcast dabei zu haben. Wenn wir uns leeren, können wir empfangen.
  4. Schall und Rauch: Räuchern findet zur Nacht hin statt – am besten mit offenen Fenstern, damit alles entweichen kann und in Stille – die danach auch anhält. Früher lärmten die Menschen dazu laut. Ich klatsche anstatt dessen. Ich räuchere vor dem Schlafen gehen, sitze anschließend mit meinem Journal und einem Tee in Stille am Küchentisch. Dann geht es ins Bett. Sehr gute Schlafhygiene.
  5. Gaben teilen: Der Brauch abends Kekse und Milch vor das Fenster oder die Tür zu stellen ist im Kern uralt. Es ist Nahrung für diejenigen, die wir tagsüber nicht sehen können (also mit unserem Tagesbewusstsein): Frau Holle, Ahnen, Elfen, Feen, Waldgeister… und so stelle ich jeden Abend eine kleine Gabe nach draußen. Ich nehme Nüsse oder frisch gebackenes Brot, in Fett gerollte Körner, manchmal etwas Wintergebäck und stelle dazu Wasser oder Tee. Du kannst es anpassen, wie es für dich stimmig ist. Am nächsten Morgen gebe ich das, was geblieben ist in die Natur.
  6. Licht entzünden: ich habe keiner Feuerstelle, und so stelle ich ein kleines Licht ins Fenster, um das Licht zu stärken, umherziehenden Seelen den Weg zu weisen (sie können sich an meinen Gaben stärken) und meinen Ahnen zu zeigen, dass ich an sie denke.
  7. Hingabe statt Stress: was ich jedoch vor allem gelernt habe ist, mir keinen Stress zu machen. Wähle das, was für dich stimmig und machbar ist. Denn in den Raunächten geben wir uns hin und pushen uns nicht durch.

Den weisen Frauen lauschen

Um die ursprüngliche Energie der Raunächte zu erfassen, hilft es sich vor Augen zu führen, dass die Menschen früher kein elektrisches Licht und keine Zentralheizung hatten. Man war achtsam mit den Wintervorräten – die Wintersonnewendgans – heute bekannt als Weihnachtsgans – war eine Gabe an die Göttin Frau Holle. An den langen Abenden rückte man in der Stube ums Feuer zusammen, erzählte Geschichten und lauschte den Großmüttern, die ihre Weisheit teilten. Das Land lag unter Schnee und die Tiere hielten Winterschlaf. Man räucherte den Stall und die Tiere, ebenso wie die Stube. Und so kannst du die Zeit auch nutzen energetisch all deine Lebensbereiche einmal durchräuchern. Aufzuräumen, altes zu entsorgen, offenes abschließen.

Ein schöner Brauch, den ich für mich übernommen habe ist es jeden Tag ein Märchen zu lesen. Ich zünde eine Kerze an, lade all meine Ahnen ein und stelle mir vor, wie die weisen alten Frauen am Feuer mit mir sitzen und ihre Weisheit durch das Märchen zu mir spricht… ein Brauch, den man übrigens auch wunderschön mit Kindern umsetzen kann. Oder indem man sich als Erwachsene gegenseitig Märchen vorliest oder sich ein Märchen anhört.

Ich wünsche dir eine geruhsame, ruhige und gute Raunachtszeit. Und wie gesagt: es geht ums Lauschen, nicht ums umsetzen. Dazu kommen wir dann erst im Januar.


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