Wenn die alten Weiber spinnen

Wenn die alten Weiber spinnen

So langsam werden die Abende kühler und morgens fühlt sich die Luft wieder frischer an. Ich genieße es nach diesem intensiven Sommer den Wechsel der Jahreszeiten zu spüren. Es ist fast so, als ob mit der langsam zunehmenden Dunkelheit auch schon der Herbst an die Tür klopft. Der Altweibersommer ist da. Doch was hat diese spezielle Zeit des Jahres eigentlich mit alten Frauen zu tun? Woher kommt der Name?

Wenn es ein Merkmal dieser Zeit gibt, neben den kühleren Nächten, dann sind es die Spinnenweben, die morgens im Sonnenlicht mit tausenden Tautropfen behangen glitzern. Denn es ist die Zeit, in der die Spinne wieder ihre Fäden webt. Oder wie es früher hieß: ihre Fäden weibt. Im speziellen ist es die meist nur 1,5 bis 3 mm große Baldachinspinne. Sie webt ihre Netze häufig in Bodennähe, in Wiesen oder in Sträuchern und sie sehen aus wie ein Baldachin durch ihre horizontale Webform, die leicht gewölbt ist. Die Baldachinspinne lässt sich mit ihren Fäden vom Wind tragen – ist dieser lang genug wird er vom Wind erfasst und sie kann auf ihm reisen. Wenn sich die Luft über dem kühleren Boden durch die Sonne rasch erwärmt, nutzen die Spinnen diesen Auftrieb und machen sich auf die Reise. Sie können dabei mehrere 1000 Meter in die Höhe gleiten oder bis zu mehrere hundert Kilometer weit reisen.

Das Schicksal breitet sich glitzernd aus.

Die Fäden, die so in der Luft hingen, glitzernd, wiegend wurden damals als Gespinste von Feen, Elfen oder Nornen gesehen. Die Nornen sind die 3 Schwestern am Brunnen des Weltenbaumes, die das Schicksal spinnen. Urd, die für das Schicksal und die Vergangenheit steht, Verdandi, die das Werdende und die Gegenwart verkörpert und Skuld, die die Energie von Schuld, dessen, was sein soll und der Zukunft hält. Es war, als ob sich ein magischer Teppich über der Erde ausbreiten würde. Aber die Kirche, die spinnende Weiber und alte feminine Weisheit eh nie so richtig gut fand, und vor allem nichts mit weiblicher Dreifaltigkeit anfangen konnte, entschied sich, eine eigene Geschichte zu erfinden.

Und so wurden aus den Schicksalsfäden der Nornen die Geschichte, dass die Jungfrau Maria mit 10.000 Jungfrauen das Land mit Seide überspinnen würde. Doch auch in dieser Geschichte steckt noch viel alte Wahrheit. Denn die Jungfrau Maria, die dann zur Mutter Maria und zu Königin des Himmels wird, ist das Überbleibsel der Großen Göttin, was die auch die Kirche nicht wegdiskutieren konnte, wollte sie den Menschen ihren neuen Glauben aufdrücken.

Die Spinne steht in vielen Kulturen – auch in Europa – als Symbol für die Große Mutter, die Große Göttin, Frau Holle. Bei einigen Native American Tribes und First Nations ist es Spiderwoman oder Mother Spider, die das Schicksal der Welt spinnt. Es war die Spindel bei Dornröschen, die die 13. Fee nutzte um das Mädchen zur Frau werden zu lassen – ja, der Blutstropfen stand für etwas, die Menarche der Prinzessin! Und auch unser Lametta kommt von einer Spinne.

Als die Weisheit noch gesponnen hat

Und so glänzten damals wie heute die langen Fäden im Sonnenlicht wie lange, silberne Haare. Und die Schicksalsfäden der Nornen und Zauberfäden der Feen wurden zu den langen weißen Haaren, die alte Weiber beim Kämmen verloren hätten. Frau Holle lässt grüßen! Und mit ihr die Nornen unterm Weltenbaum. Denn damals war „altes Weib“ noch kein Schimpfwort, die weise Alte existierte noch im Bewusstsein der Menschen, die Große Göttin war noch spürbar in der Natur und in den Mythen. Die Frau jenseits der Menopause wurde noch geehrt und geachtet.

Und so glaubte man, es bringe Glück, wenn sich Spinnfäden an die Kleidung heften. Verfingen sie sich im Haar junger Mädchen, stand eine Hochzeit bevor. Es war quasi eine Initiation durch Mutter Natur – das Mädchen wird zur Frau. Auch der Ausdruck:“ Die spinnt doch!“ hat hier seinen Ursprung – in dem Schicksalsspinnen der weisen Frauen. Die spinnenden Frauen waren immer machtvoll. Und so können wir uns auch dieses Sprichwort zurückerobern.


Lange Zeit wurde das Jahr nur in 2 Jahreszeiten eingeteilt: Winter und Sommer. Es gab den jungen Weibersommer und den alten Weibersommer – die Zeit der Spinnenfäden – das war wir heute als Frühling und Herbst kennen. Weiben ist ein althochdeutsches Wort für weben. Es ist die Spinne, die ihr Netz webt, und damit ist es für mich auch der Gedanke an die alte Frau, die unablässig den Weltenteppich webt, den Lauf der Dinge bestimmt. Und wenn wir Glück haben, verfängt sich einer ihrer magischen Fäden in unseren Haaren und damit ein wenig ihrer unendlichen Weisheit.

Lass uns diese magische Zeit genießen, unsere eigenen grauen Haare feiern und gemeinsam das Leben spinnen.

Dein individueller Rhythmus im Jahreskreis

Dein individueller Rhythmus im Jahreskreis

Es ist Sommer und damit ist es Zeit für neue Strukturen. Erntezeit und Jungfrauen-Energie laden uns förmlich dazu ein eine Bestandsaufnahme zu machen und die Strukturen für den neuen Jahreskreis zu gestalten. Für mich ist der Sommer auch immer die Zeit in der meine Energie am größten ist. Ich bin Ende August geboren worden und damit ist dies die Zeit, in der es mir energetisch auch am leichtesten fällt Dinge zu gebären und in die Welt zu bringen. Deswegen hat jetzt auch das Business Bloom-Camp die Welt erblickt.

Für dich kann es sein, dass du einen ganz anderen Rhythmus hast und deine „Gebärzeit“ an einem anderen Punkt im Jahreskreis liegt. Denn auch wenn es den großen Jahreszyklus gibt, so gibt es auch deinen persönlichen Rhythmus. Dabei gibt es kein entweder oder, sondern beides gleichzeitig. Unser persönlicher Rhythmus kann innerhalb des Rhythmus der Natur existieren. So wie es beispielsweise Tage innerhalb eines Monats gibt und wir einen persönlichen Tagesrhythmus haben, welcher sich von anderen unterscheidet, so können wir auch innerhalb eines Monats einen Rhythmus haben – beispielsweise bestimmt durch unsere Menstruation. In all dies tauchen wir bei Becoming You tiefer ein.

Dein Rhythmus – deine Vibration – dein Erfolg

All dies bildet die Grundlage dafür, wie ich mein Leben in allen Bereichen gestalte. Ich nehme mein Business mal als Beispiel. Als ich vor 14 Jahren gestartet bin habe ich versucht dem Rhythmus der Experten zu folgen, oder dem Rhythmus, der mir teilweise vorgegeben wurde. Ich habe Kurse gebucht, die mich in Aktion bringen sollten und am Ende saß ich da wie das Kaninchen vorm Scheinwerfer, unfähig die vorgegebene Energie zu reproduzieren. Ich habe an Programmen teilgenommen, die inhaltlich perfekt waren, jedoch tat ich mir mega schwer zu dem Zeitpunkt in die Umsetzung zu kommen. Das hinter dem Rhythmus der Anderen hinterher hechten und auf deren Knopfdruck produktiv zu sein hat dazu geführt, dass ich am Ende ausgebrannt oder gelangweilt war und damit die Energie, die ich in mein Business gegeben habe, eben auch nicht in meiner höchsten Vibration war. Damit meine ich, dass ich nicht mehr mit Freude kreiert habe, dass ich nicht mehr mit Lust mein Wissen geteilt habe, dass ich nicht mehr mit Genuss meine Events gemacht habe. Und damit wurde es so richtig schwierig das Business am Laufen zu halten. Denn: wenn wir nicht in unserem Rhythmus sind und nicht mit uns verbunden sind, dann spüren das eben auch unsere potenziellen Kunden. Und sexy oder anziehend ist das nicht. Und das gilt übrigens auch für alle anderen Lebensbereiche. Lass ich mich beispielsweise vom Algorithmus der Dating-App treiben, bin ich nicht bei mir und nicht in meiner höchsten Vibration.

Ich habe für mich gelernt, dass es viele tolle Business-Tools gibt, die sicherlich auch wirklich wirksam sein können, jedoch wenn ich die Energetic meines Business und von mir selbst nicht klar habe, dann helfen mir auch die besten Tools nicht. Ich habe damals auch richtig viel Geld für Kurse ausgegeben, die ich am Ende nicht umsetzen konnte – zum einen, weil ich damals nicht klar war mit meiner Energie, zum anderen, weil sie nicht mit meiner Energie im Einklang waren. Erst als ich angefangen habe mich mit der Energie und den Rhythmen hinter dem Business auseinander zu setzen, hat sich auch mein Business-Erleben verändert. Und mittlerweile kann ich relativ entspannt mit meinem Business sein. Ich kann mich ohne Probleme auch mal länger zurückziehen – wie zum Beispiel im letzten Winter, wo ich den Tod meines Vaters und persönliche Gesundheitsthemen verarbeitet habe. Denn ich kenne meinen Rhythmus und meine Zyklen und ich weiß, wie ich mit ihnen umzugehen habe.  Ich habe damals beispielsweise ein Programm für die Raunächte live gemacht – es war ein tolles wirklich transformierendes Programm: Set Your Intentions – vielleicht erinnerst du dich daran, wenn du schon länger in meinem Space bist. So kraftvoll und krass das Programm auch war, und so sensationell die Veränderung für die Teilnehmerinnen war, so erschöpft war ich am Ende.

In der Ruhe liegt die Kraft

Denn ich wusste damals noch nicht, dass der Dezember mein Ruhemonat ist. Ich gehe buchstäblich in einen energetischen Winterschlaf. Und die Erschöpfung durch die extreme Aktivität und Präsenz in den Raunächten, wir waren jeweils über 100 Teilnehmerinnen, hat dazu geführt, dass ich Wochen später nicht wieder 100%ig fit war.  Und so entschloss ich mich damals dazu, mich von SIY zu verabschieden und etwas zu finden, was meinem energetischen Bio-Rhythmus entspricht. Das Ergebnis ist unter anderem Becoming You welche in meiner energetischen Gebärphase in die Welt kommt, mir damit Energie gibt, anstatt sie mir nimmt und mein bisher erfolgreichstes Programm ist. Unter anderem auch, weil es sich an dem großen Jahreskreis orientiert, der uns alle verbindet und damit auch nährend für jede Teilnehmerin ist, unabhängig davon, wie ihr persönlicher Rhythmus ist.

Dieses Jahr kommt das Business Bloom-Camp dazu, denn es haben mich so viele Anfragen nach einem Business Programm erreicht. Im Business Bloom-Camp gehen wir auf deinen persönlichen Rhythmus und andere energetische Grundlagen deines Business ein. Und wir schauen hinter die Kulissen deines Business und wie du wieder in den richtigen Flow kommen kannst. Wir legen die Basis, damit dein Business so richtig erblühen kann.

Kreieren wir in den 10 Wochen ein 6-figure Business? Werden wir ein sexy Lifestyle Business aus dem Boden stampfen? Nein. Wir werden die Grundlage dafür schaffen, dass du dein Business in einem gesunden Tempo zu einem sechstelligen Umsatz bringen kannst – wenn du das willst. Wir werden dich und dein Business so ausrichten, dass ihr euch gegenseitig nährt und du damit einen Lebenstil haben kannst, der dir und deinen Rhythmen entspricht. Und vor allem, dass du dir ein Leben kreieren kannst, in welches du dich immer wieder aufs Neue verlieben kann. Wenn du neugierig geworden bist, dann schau vorbei und sein dabei.

Balance finden im eigenen Zyklus

Wie auch immer du dich entscheidest – es ist essenziell deinen Rhythmus zu keinen, dein energetisches Hoch und dein energetisches Tief und dies in dein Business und Leben zu integrieren. Manchmal können es schon kleine Veränderungen sein, wie 30 Minuten später aufstehen, Elemente im Wochenrhythmus zu verändern oder deinen Alltag nach deinem Menstruationsrhythmus zu planen.

Es ist wichtig, dass wir uns – vor allem als Frauen – daran erinnern, dass der Rhythmus unserer Gesellschaft nicht an unseren Bedürfnissen orientiert ist – ansonsten hätten wir schon lange ein Menstruations-Leave in dem sich Frauen mindestens 3 Tage im Monat zurückziehen können ( nicht nur wegen der Schmerzen, sondern aufgrund der Energie von Vision & Sensitivität). Schulen würden zu einem für alle angenehmeren Zeitpunkt starten und es würde Arbeitsformen geben, die sich an den Ergebnissen und nicht an der abgesessenen Zeit im Büro orientieren.

Unsere Gesellschaft ist auf Konformität ausgelegt und nicht auf das ehren individueller Zyklen. Unsere patriarchale Gesellschaft hat das Ziel die Natur zu beherrschen, anstatt sich an ihr zu orientieren und anzuerkennen, das wir Teil der Natur sind.

Es ist Zeit, dass wir als Frauen uns unsere Rhythmen und Zyklen zurückerobern,

Auf allen Ebenen.

Lass uns heute damit starten.

Weihnachten im August

Weihnachten im August

Aktuell gibt es ein Wunschkonzert am Himmel – ich spreche gerne von Weihnachten im August. Der Sternschnuppenhagel der Perseiden schaut vorbei und lässt uns zur Erntezeit nochmal in die vollen greifen. Passend zum Schnitterinnenfest (8.Vollmond nach der Wintersonnenwende) und zu Maria Himmelfahrt (15.08.) können wir noch ein paar Extrawünsche ins Universum schicken.

Sternschnuppen haben schon immer eine Magie auf uns Menschen ausgeübt, um 36 vor Christus da gab es die ersten Berichte über Sternschuppen. Und die Perseiden kommen jedes Jahr bei uns vorbei. Ihren Namen haben sie aus der griechischen Mythologie, denn die Perseiden sind sozusagen die Kinder von Perseus. Anfangen müssen wir aber mit Zeus. Der gute Zeus, das war ja der Göttervater im griechischen Himmel und auch ein Schwerenöter, das muss man ganz ehrlich sagen – denn er hat alles, was nicht bei 3 auf den Bäumen war sexuell genötigt, ob die andere wollte oder nicht. Absolutes Patriarchat in Reinkultur. Wenn wir das ganze mal ein bisschen entmystifizieren. Denn am Ende des Tages steht an der Spitze einen Göttervater, der allmächtig Frauen nötigt und sexualisiert, mit ihnen schläft, sie vergewaltigt und Kinder mit ihnen zeugt. Voll patriarchal, weil er nie geahndet wird und sicherstellt, dass alle Kinder seine sind.

Zeus hat also auch Danae geschwängert, und zwar, als sie geschlafen hat. Da ist er als Goldregen zu ihr gekommen und meinte, er müsste sich über sie her machen. Und daraus ist der wunderbare Perseus entstanden. Perseus der Sohn von Zeus ist auch der Mann von Andromeda und die beiden sind so richtig ineinander verliebt gewesen. Und deren Kinder, das wurden dann die Perseiden und somit sind die Perseiden quasi die Kinder der Liebe, die über den Himmel verteilt sind und einmal im Jahr bei uns vorbeikommen. Und so können wir in dieser Liebe und durch diese Liebe hinweg unsere Wünsche in Erfüllung bringen. Ist das nicht eine schöne Geschichte? Ich finde es erinnert uns daran, dass wir durch Liebe alles entstehen lassen können. Durch die Liebe zwischen Perseus und Andromeda sind diese Kinder entstanden, die als Sternschnuppenhagel sozusagen an uns vorbei tanzen und uns daran erinnern, was Liebe alles kreieren kann. Und so können wir mit dieser Liebe eben auch unsere Wünsche in die Realität bringen. Insbesondere auch, wenn wir uns mit der Energie der Ernte verbinden.  

Warum Frauen sich nicht gegenseitig unterstützen

Warum Frauen sich nicht gegenseitig unterstützen

Warum ist es eigentlich so, dass Frauen sich immer noch nicht voll und ganz unterstützen?

Historisch gesehen, und das hängt epigenetisch in uns, hatten wir einfach nie genug. Das heißt wenn du von dem kleinen Krümel, den wir uns als Frauen teilen müssen, ein einen Teil nimmst, dann habe ich gefühlt – und auch lange Zeit sehr realistisch, weniger als nichts. Diese Erinnerung ist tief in uns verankert.

Es ist dagegen einfach sich als Männer gegenseitig zu supporten, wenn man den ganzen Kuchen zur Verfügung hat. Das gleiche gilt auf für Männer, die Frauen supporten. Denn dann ist es leicht zu sagen: „Ich gebe dir mal einen Krümel ab.“ Und vor allem mit diesem Krümel direkt großzügig zu wirken.

Frauen und Fülle

Die Wahrheit ist: Wenn Frauen in der Fülle sind, dann unterstützen Frauen andere Frauen hemmungsloser und deutlicher mit allem, was sie haben. Community, Sisterhood, all das existiert – all das ist unser Sein. Wir sind als Frauen nicht natürlich zickig miteinander, wir sind nicht selbstverständliche neidisch aufeinander. Diese Verhaltensweisen sind die Folge von guten 6000 Jahren Patriarchat, in denen uns einfach nichts gehört hat und in denen uns nichts zugestanden wurde und in denen uns nichts gegönnt wurde. Und daher kommen diese alten Strukturen, die wir auch im Hier und Jetzt noch erleben.

Vergangenheit oder Gegenwart?

Deswegen ist es immer wieder hilfreich in den oben genannten Situationen genauer hinzuschauen: Hat es wirklich was mit dem Hier und Jetzt zu tun oder ist es vielleicht eine uralte Verhaltensweise, die angetriggert wurde? Geht es gerade wirklich um mich oder hat es gdie aktuelle Situation etwas mit der Angst der Frau zu tun? Ist der der Mangel, die Angst, ihre Position zu verlieren oder ähnliches.

Wenn wir klar im Hier und Jetzt bleiben können und uns damit eben nicht in diese alten Muster verstricken lassen, dann können wir die Erfahrungen von Neid, Zickigkeit und gegenseitiger Missgunst auflösen. Denn wenn wir nicht mehr zur Verfügung stehen, dann läuft das Muster in die Leere. Und so können am Ende alle Frauen profitieren – auf allen Ebenen.

Verkörperung – wie geht das eigentlich?

Verkörperung – wie geht das eigentlich?

So oft habe ich in meinem Leben gehört: du musst es einfach nur verkörpern. Und so oft habe ich mich damals gefragt: und wie genau geht das? Doch eine richtige Antwort habe ich nie bekommen. Also habe ich mich selbst auf die Suche nach der ultimativen Verkörperung gemacht. Und dabei erkannt, dass der Grund, warum ich von vielen der ach so schlauen Menschen, die mich in die Verkörperung bringen wollten, keine Antwort bekommen habe war, dass sie selbst nicht wirklich in Verkörperung waren. Denn so einfach sich die Idee auch anhören mag, so vielschichtig ist sie. Und vorab sei gesagt: es ist nicht immer so einfach wie es dargestellt wird.

Was am Anfang des Themas mit der Verkörperung steht ist die Tatsache, dass jede Erkenntnis die wir haben nur eine theoretische Idee ist, wenn wir sie nicht verkörpern. Verkörpern bedeutet dabei sie umsetzen, leben, durch unseren Körper fließen lassen, sie in Materie verwandeln. Denn das ist es, worum es bei Verkörperung geht – etwas immaterielles materiell werden zu lassen. Das Wort Materie hat seinen Ursprung in dem lateinischen Wort „māteria“ womit „Stamm und Schösslinge von Fruchtbäumen und Weinreben, Bauholz, Nutzholz, (Grund)stoff, Aufgabe, Anlage, Ursache“ bezeichnet wurden. Das Wort māteria wiederum ist eine Ableitung von „māter“, was Mutter bedeutet. (Daher kommt auch das Konzept vom „Mutter Erde“, da es der sichtbare, greifbare Teil der Welt ist.

Verkörperung als Möglichkeit des Seins

In seiner Bedeutung steht das Wort Materie zum einen für den Stoff aus dem etwas gefertigt ist (Material) zum anderen geht es um die „stoffliche Seite eines Naturkörpers“ (14. Jh.), als ‘Möglichkeit des Seins’, das seine Bestimmung erst durch die Form erhält. 

Wenn es also ums Verkörpern geht, dann können wir sagen, dass es zum einen darum geht die stoffliche Seite einer Erkenntnis, bzw. unseres Seins materiell zu machen. Und zum anderen geht es ganz profan darum überhaupt wirklich uns ganz in dem eigenen Körper zu sein.

Ich selbst habe als Kind und junge Frau oft meinen Körper verlassen, vor allem in Situationen die unangenehm waren oder unsicher erschienen. Ein Teil von mir ist dann quasi aus dem Körper geflutscht und hat sich das Ganze von außen angeschaut. Das war zum Beispiel der Fall als ich eine physische Missbrauchssituation erfahren habe, als ich vor lauter emotionaler Intensität in Familienkonflikten nicht wusste, wohin oder wenn mein Schmerz zu groß war – beispielsweise als klar war, dass meine Mutter mit Krebs diagnostiziert wurde. Später dann verschwand ich, während ich auf dem Zahnarztstuhl behandelt wurde, wenn der Schulbus übervoll und überfordernd war oder auch beim Sex (meine ersten sexuellen Erfahrungen waren nicht von Lust geprägt. Dazu mehr an anderer Stelle.).

Fehlende Verkörperung ist kollektiv

Es dauerte einige Zeit, bis mir klar wurde, dass ich einen signifikanten Teil meines Lebens nicht voll präsent in meinem Körper verbrachte. Und zu merken, dass dies nicht nur an meinen eigenen Erlebnissen lag. Dazu passt auch dieser Impuls hier:

Denn wenn wir nicht ins Verkörpern kommen – und damit voll und ganz in unserem Körper ankommen – dann liegt es nicht unbedingt daran, dass wir ein Kindheitsthema hatten, oder in der Selbstsabotage sind, sondern es kann einfach daran liegen, dass wir in den epigenetischen Informationen im kollektiven Bewusstsein wissen, dass es als Frau nicht sicher ist im eigenen Körper zu sein. Denn Fakt ist eben auch, dass seit 6000 Jahren Frauen über ihren Körper definiert werden und Frauen über ihren Körper herabgesetzt.

Doch das Problem dabei ist, dass wenn ich als Frau nicht in meinen Körper gehe, mir dann eben auch ein Teil meiner Präsenz, ein Teil meiner Macht und ein Teil meiner Umsetzungskraft fehlt und ich damit eventuell nicht das kreieren kann, was ich kreieren möchte. Das ich nicht materialisieren kann, was ich möchte – weil ich selbst nicht voll uns ganz in meiner Materie bin.

Von Erkenntnis zum Sein

Und damit bringt es mich zum zweiten Aspekt der Verkörperung: wenn ich nicht in meinem Körper bin, dann kann es mir schwer fallen Erkenntnisse zu verkörpern. Dann kann es herausfordernd sein intellektuell begriffene Konzepte oder emotional erfasste Wahrheiten in dem Körper zu bringen beziehungsweise über den Körper zu leben. Denn wenn mein Körper mir nicht als ein sicherer Ort erscheint, wenn ich nicht mit ihm verbunden bin, wenn ich gelernt habe ihn in unangenehmen Situationen zu verlassen – warum sollte ich nun gerade in diesem Moment voll und ganz in ihm Platz nehmen?

Und damit sind wir bei der Krux der Verkörperung. Anstatt nun also weiterhin dem weitverbreiteten Narrativ zu folgen, dass fehlende Verkörperung Selbstsabotage sei, gilt es zunächst Sicherheit für und in unserem Körper zu schaffen. Ja, wir können das Patriarchat nicht direkt umstürzen – es wird also noch einige Zeit genügen unsichere Momente für Frauen geben. Und gleichzeitig können wir aktiv beginnen uns in dem eigenen Rahmen sichere Orte zu schaffen.

Dazu kannst du dir zuhause beispielsweise eine Ecke oder ein Kissen einrichten. In dem beginnst du einfach deinen Körper zu spüren und wahrzunehmen. Ich nenne die Übung Body Scan – dabei scanne ich einfach durch meinen Körper und nehme wahr was ist. Ohne es zu beurteilen oder verändern zu wollen. Nur diese Übung 2mal täglich zu machen kann deine Beziehung zu deinem Körper als Ort schon verändern. Vor allem, wenn es in einem sicheren Raum stattfindet, in dem du weißt, dass dein Körper sicher ist. Und damit eben auch die Sicherheit innerhalb deines Körpers erspüren kannst.

Sichere Orte schaffen um in den Körper zu gehen

Nur wenn wir uns diese sicheren Orte schaffen, dann können wir auch sicher in unseren Körper gehen und sicher in unserem Körper sein und damit ins Verkörpern kommen. Nur wenn wir uns diese Räume schaffen und auch gegenseitig erlauben, dann können wir voll und ganz in unserem Körper Platz nehmen.

Für mich war es essenziell – durch Übungen wie den Body Scan und einige andere – zu spüren, dass egal was ich fühle, mein Körper ein sicherer Ort ist und mein Körper sicher an dem Ort ist, an dem er das fühlt. So habe ich nach und nach mehr und mehr wieder Platz in meinem Körper genommen und bin seltener ausgebüchst. So bin ich ins Verkörpern gekommen und konnte mir damit dann auch das Leben erschaffen, welches ich heute habe. In einer Stadt, die mich jeden Tag bezaubert. Mit einer Wohnung mit Flussblick, mehr Platz als je zuvor in einem wunderschönen historischen Stadtviertel. Mit einem starken nährenden Sisterhood, welcher mitträgt und lachen lässt. Mit Kundinnen, die mein Herz höherschlagen lassen und mit denen ich meine Arbeit genieße. Und ja, auch mit Männern und Sex und all dem was das Herz sonst noch begehrt – für all diejenigen, die es wissen müssen.

Bin ich jetzt immer vollkommen anwesend in meinem Körper? Ehrlicherweise nein. Doch ich merke ganz genau, wenn ich es nicht bin und kann dann bewusst zurückkommen. Ich habe anerkannt, dass mein Körper immer noch epigenetische Informationen gespeichert hat, die Teile von mir zum ausbüchsen verleiten – und dich schaue ich mir nach und nach an. Und das ist okay. Denn beim Verkörpern geht es nicht um Perfektion, sondern um Präsenz. Und das teile ich am Ende mit dir, damit hier nicht der nächste Hype oder Druck entsteht. Denn: du kannst dir ein fantastisches Leben erschaffen, ohne perfekt zu sein oder alle deine Themen komplett aufgelöst zu haben. Und wer dir was anderes erzählt teilt nur patriarchalen toxischen Bullshit mit dir.